Ich kann keinen Stillstand

Meine Freundin sagt, dass sie gelesen hat, dass man sich auch mal bewusst langweilen soll. Wir haben verlernt uns zu langweilen – wir sind ständig unter Strom. Wir haben Angst Dinge zu verpassen und halten keinen Stillstand aus. Ich halte Stillstand nicht aus. Wenn ich eine Woche Urlaub habe, dann baller ich mir jeden Tag mit Programm voll. Nach einem Tag Nichts-Tun werde ich wahnsinnig. Wir sind ständig unter Strom. Literally. Mit dem Blick auf’s Smartphone – die neusten Reisebilder deiner Ex-Kommilitonen. Dein Kumpel ist gerade in Singapur, deine Freundin in Peking, während die Blogger der Nation zum Coachella pilgern oder in Paris abchillen. Und schon bist du Mitte 20 und hast immer noch keinen Auslandsaufenthalt hinter dir, während deine Jugendfreundin ihre mehrjährige Weltreise plant und deine anderen Kommilitonen so langsam alle ihre neuen Jobs antreten. Ich mag es bequem, aber ich mag es nicht bequem. Ich habe Angst mit 40 aufzuwachen und zu bereuen. Bereuen, nicht alles das gemacht zu haben, was ich wollte. Weil das Leben dazwischen kam, weil Klausurphase war, weil weil weil… Alles Ausreden! Ich kann keinen Stillstand – weil ich keinen Stillstand brauche und auch gar nicht will. Aber das Bett ist so gemütlich – nur noch 5 Minuten. Nur ganz selten, nur ganz kurz. Stillstand in der Sonne – mit einem Glas Wein. Ich renne vor der Zeit weg – in der Hoffnung nicht eingeholt zu werden. Jeden Tag meine Geschichte schreiben – bloß nichts vergeuden. Kein Stillstand – auch wenn ich im Kreis laufe und von Vorne anfangen muss. Aktiv sein – das beste Gefühl.

Fotos: Alexander Möhle
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Fotografen kennenlernen: 6 Kleinigkeiten, die ich gelernt habe

Ich bin ein Autodidakt, der nicht nach Lehrbuch geht – mehr intuitiv – mit dem Auge für Kitschiges. Es gibt Leute, die sich darüber aufregen, wenn man vom Lehrbuch abweicht und meinen ganz alleine den Anspruch auf Richtigkeit zu haben. Ältere, eingefahrene Menschen, die dich dafür rügen “keine Ahnung” zu haben. Aber mein Gott – so ist das Leben. Am Ende zählen die Ergebnisse, sie müssen dir selbst gefallen. Wenn das Publikum deine Bilder auch gut findet, dann kannst du dich darüber freuen. Wenn nicht, dann kannst du fragen und Erkenntnisse gewinnen und dazulernen. Ich dachte mir, dass ich mal ein paar Punkte aufschreibe, die ich mir durch trial and error angeeignet habe.

  1. Alle normalen Menschen so: Ohhhhh knalle Sonnenschein – toll – es ist endlich schönes Wetter. Fotografen so: Igitt, Igitt – harter Schlagschatten. Wo bleibt die nächste Wolke?
  2. Die Menschen wollen plötzlich was von dir.
  3. Photoshop? Photoshop! Die einen wollen, dass das Bild schon so gut wie möglich ist, damit man nichts mehr machen muss. Die anderen lieben es sich auszutoben. Ich gehöre eher zur zweiten Sorte und ihr?
  4. Blitzen oder nicht Blitzen? Die einen setzen auf viel Technik und coole Lichtkompositionen, die anderen wollen nur mit natürlichem Licht fotografieren. Ich persönlich bin nicht so der Blitzer – was ist mit euch?
  5. Zuverlässigkeit ist kein Allgemeingut: Es gibt leider mehr Menschen, die unzuverlässig und unverschämt sind. Mehr als man glaubt. Wer meint mit reiner Menschenliebe voranzukommen fehlt. Selbst im eigenen Bekanntenkreis kann es zu Ärger kommen, wenn man sich vorher nicht absichert. Damit meine ich: Ich hasse es wie die Pest, wenn man meine Zeit verschwendet. Damit meine ich vor allem Wartezeiten. Unpünktlichkeit und Lügen. Ich habe mal eine halbe Stunde im Kalten gestanden – erst nachdem die Person 20 Minuten zu spät war, hat sie sich  gemeldet, dass es noch dauern wird. Weiterhin wurde mir mal aus “Krankheit” abgesagt und die Person hat sich 5 Minuten später im Fitnessstudio getaggt. Vor allem aber ist es ätzend, wenn jemand nicht organisiert ist. Dich anschreibt, weil sie was will und dann erwartet, dass du die ganze Arbeit machst, weil sie absolut keine Ahnung hat, was sie will [Location, Kleidungsstil, Zeitpunkt, Konzept]. Diese Punkte sind aber gut – sie lassen dich besser wählen und man kann ordentlich aussieben.
  6. Es gibt Menschen, die nicht damit klarkommen, wenn du ihnen höflich (!) absagst: Lieber nicht zu Herzen nehmen. Mit solchen Menschen will man auch gar nicht zusammenarbeiten – auch wenn einem die Bilder gefallen!

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Mehrwert – Wenigwert

In einem älteren Post bin ich auf das Thema der Reziprozität eingegangen. Heute wollte ich das um das schöne Wörtchen “Mehrwert” ergänzen. Vor einiger Zeit ist jemand an mich herangetreten und gefragt, ob ich Fotos für ihren Blog mache. Ich fotografiere nur, wenn ich einen Mehrwert daraus ziehe. Mehr dazu später.

  • Sie wollte, dass ich für sie 1-2x pro Woche “professionelle” [/Zitat] Outfitfotos schieße. #kostenfrei
  • Sie dachte sich, dass ich an ihr üben könne.
  • Sie wollte mich mit ihrem Blogportal beeindrucken. Aus dem ist Sie mittlerweile ausgetreten.
  • Sie sagt, sie findet meine Bilder toll, aber bevor sie was von mir wollte, hab ich noch nie einen Mucks von ihr zu meinen Bildern gehört.

zu 1: Was sind Outfitfotos? Ganzkörperaufnahmen, in denen die Kleidung relativ einfach zu erkennen ist und ein paar Nahaufnahmen der Details. Outfitfotos haben für mich absolut und überhaupt keinen Mehrwert. Ich fahre also irgendwohin, um etwas zu machen, was mir gar nichts bringt und das 2x die Woche, macht also mehrere Stunden vergeudeter Lebenszeit. Da das für mich mehr Aufwand, als Nutzen (=Freude) bedeutet, muss das Gleichgewicht in Form einer Vergütung wieder hergestellt werden. Nun meine Frage: Wie kann man sich von Fremden “professionelle” Bilder wünschen und im gleichen Zug dann sagen, dass einem das im Grunde genommen keinen Cent wert ist? Da stellt sich mir die Frage: Hab ich denn nichts besseres zu tun neben meinem Job, meinem Studium und meiner Selbstständigkeit, als 2x die Woche für Fremde, Fotos zu schießen für die weder eine konzipierte Idee vorliegt, noch ein finanzieller oder künstlerischer Mehrwert für mich entsteht und oder mir nicht einmal Spaß macht? Die Tatsache gefragt zu werden erfreut mich, aber wie kann man denn so kackendreist in der ersten E-Mail denn schon erwarten, dass jemand für nichts (!) 2x die Woche wie ein Idiot antanzt?

Zu 2: Das ist meiner Meinung nach eine ziemlich freche Einstellung. Wenn jemand etwas von mir will, dann soll er es nicht hinter so einer Ausrede verstecken und so tun, als würde es mir zu Gute kommen, obwohl er eigentlich nur eine Gefälligkeit einfordert. Mir ist es lieber, wenn jemand mich ehrlich um einen Gefallen bittet, als wenn jemand dann anfängt die (Pseudo-)Vorteile aufzuzählen, die ich haben würde, wenn ich denn zusagen würde. Ist wie diese zahlreichen Bloganfragen á la “Ey, wir haben hier einen coolen Text, veröffentliche den doch – ist sicher toll für deine Leser, weil der Content so interessant ist”.

Zu 3: Ich halte nichts davon, wenn man versucht mich zu beeindrucken, indem man einen  Ballon mit heißer Luft befüllt. Wer mir imponieren will, der kann das über Engagement tun, nicht über inhaltsloses Gerede. Es hat sich ja herausgestellt, dass Sie trotz Lobhudelei ggü. diesem Blogportal nun selbst ausgetreten ist. Dann kann es doch gar nicht so großartig gewesen sein, oder?

Zu 4: Sie behauptet sie würde meine Bilder so toll finden – wie kommt das dann, dass ich vorher noch nie etwas von ihr gehört habe? Ich für meinen Teil lade regelmäßig Fotos hoch und registriere jedes Like, jeden Kommentar und Namen. Ich habe bis dato null Reaktion auf meine Fotos seitens besagter Person verzeichnet. Erst als sie etwas von mir wollte, hat sie sich gemeldet. Da kommt man sich dann doch leicht verarscht vor?

Wer Lust auf freie Projekte mit mir hat, über den freue ich mich. Überzeuge mich mit coolen Ideen und Engagement. Mit selbst Gebasteltem, mit Zeichnungen, mit Inhalt. Stelle dich und die Idee deines Bildes vor, was du verwirklichen willst. So sieht man wenigstens, dass du dir Gedanken gemacht hast und dein Gegenüber wertschätzt und nicht einfach nur einen Idioten suchst, der dir für lau ein paar Bilder liefert. Auf “Ey – lass doch mal Bilder machen, aber ich hab gar kein Bock mir selber Gedanken zu machen – mach du mal” hat ja wohl niemand Lust. Ich will Mehrwert. Engagement ist Mehrwert.

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Es geht immer besser.

Ich habe das Glück mich mit Menschen – sowohl privat, als auch beruflich – umgeben zu können, die eine gewisse Mentalität an den Tag legen, die ich genieße. Eine “Es geht immer besser”-Mentalität. Leider ist diese Aussage in Zeiten von Burnout-Gefährdung ziemlich negativ behaftet. Jetzt – wo wir unsere Selbstverwirklichung suchen, jetzt wo Gen Y lieber in den Tag lebt, nicht wirklich was zu Ende bringt und hofft, dass ihr alles in den Schoß fällt, um dann sagen zu können, dass sie nur das macht, was sie liebt, schwindet das Positive aus dieser “Es geht immer besser”-Mentalität.
Das Streben nach der stetigen Verbesserung und somit der harten Arbeit für etwas wird mehr mit etwas Negativem verbunden, weniger mit einer positiven Einstellung. Leistungsdruck und Perfektionismus sind die Schlagworte, die mir da adhoc in den Sinn kommen.

Aber was wenn “Es geht immer besser” bedeutet, dass man sich dessen bewusst ist, dass man nicht über alles erhaben ist und es akzeptiert? Was wenn es heißt, dass man sich in den Sinn ruft, dass es Menschen gibt, die mehr als man selbst kann, weil sie von anderen Menschen gelernt haben. Weil sie früher angefangen haben. Weil sie eine andere Ausbildung genossen haben und einfach mehr Knowhow in einem anderen Bereich haben? Was wenn es bedeutet, dass wir offen dafür bleiben, dass wir das Wissen anderer Leute für uns selbst nutzen können und unser Wissen und Können auch für andere Menschen wertvoll sein können? “Es geht immer besser” bedeutet nicht seine eigene Leistung schlecht zu reden. Die eigene Zielführung muss nicht falsch sein – aber vielleicht gibt es eben auch jene Wege, die schneller und einfacher zum Ziel führen, als der eigene. Dein Weg funktioniert – der deines Nachbaren funktioniert auch. Keiner ist falsch, aber du kannst dir die Abkürzungen deines Nachbaren zu Nutze machen, wenn du durch seinen Weg 2-3 rote Ampeln einsparst.

Um zum Punkt zu kommen – ich habe mich vor Kurzem mit Julien Kinnart getroffen, um ein paar Fotos zu schießen. Bis Dato habe ich noch nie eine Fotosession gehabt bei der wir so wenig Bilder geschossen haben, aber mit so vielen guten Ergebnissen. Julien fotografiert analog. Was heißt das für die Tagesplanung? Was bedeutet es für dich vor der Kamera? Wenn ihr zusammen unterwegs seid und euch auf eine analoge Fotosession vorbereitet gibt es folgende Punkte zu beachten:

1. Konzentration und Zeit

Analog fotografieren bedeutet für beide Seiten ein erhöhtes Maß an Konzentration. Man legt nicht “einfach so” los und verknippst mal eben 100 Bilder zum warm werden, sondern vielleicht nur 1-2 Bilder. Der Fotograf muss sich ganz genau überlegen, was er möchte. Ein BH-Träger, der rausguckt, ein offener Hosenstall, ein störendes Objekt im Sichtfeld. Auf diese Dinge sollte man vermehrt achten – natürlich sollte man das bei digitalen Fotos auch tun, aber da kann man sich einfach umdrehen und woanders Bilder machen, während es bei analogen Bildern eben doch begrenzter ist.

2. Kommunikation

Beide Seiten müssen vermehrt miteinander kommunizieren. Wenn etwas nicht gut aussieht, dann muss das sofort geändert werden und nicht erst 10 Auslösungen später. Außerdem ist es sinnvoll zu sagen, wann man als Fotograf auslöst – ich, wenn ich als “Modell” vor der Kamera stehe, muss mich darauf einstellen, wann der Fotograf auslöst. Bei einer digitalen Kamera ist das nicht so schlimm, wenn man beim auslösen aus Versehen blinzelt. Bei der analogen Kamera ist das eine Verschwendung. Außer man hat Glück und die geschlossenen Augen sehen gut aus – aber ihr wisst, was ich meine?

Beide Punkte laufen im Endeffekt darauf hinaus, dass man eben nicht so viel Spielraum hat wie bei einer digitalen Fotokamera. Dass man begrenzte Ressourcen hat und nicht einfach mal ein Foto macht, um das Licht zu testen, sondern eben nur ein paar wenige Auslösungen hat.

Bestimmt gibt es noch zahlreiche, weitere Punkte, die man beachten sollte. Ich persönlich habe allerdings noch nicht viele Erfahrungen mit analoger Fotografie sammeln können und würde mich über euren Input freuen. :]
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Die Yogaqueen

Und weil sie nicht nur fotografieren kann, sondern sich auch vor der Kamera gut halten kann. Weil sie auch noch die Yoga-Queen unter uns ist. Normalerweise habe ich bei einer Fotosession immer nur ein oder zwei Bilder, die ich wirklich schön finde und die ich dann auch zeigen möchte. Am Anfang gefallen einem noch so viele, dann lässt die Euphorie nach und man findet die Mäkel. Da ist unscharf, da ist unscharf, da sieht die Hand komisch aus, da geht dies nicht, da geht das nicht. Dieses mal waren aber wirklich viele verschiedene Bilder dabei, die mir gut gefallen haben und bei denen ich mich gefreut habe, als ich mich durch mein Bildarchiv gewühlt habe. Momentan bearbeite ich meine Bilder entgegen alle dem, was ich normalerweise tue. Ich ziehe den Kontrast runter, obwohl es mir widerstrebt, ich wehre mich dagegen die Helligkeit zu hoch zu regeln, die ich instinktiv immer höher gedreht habe. Weil man auch mal ausbrechen muss aus den gewohnten Rastern. Weil -mal was anderes- dich dazu bringt neues zu lernen und vor allem, weil jeder Mensch eine andere Behandlung braucht. Und jedes Bild eine andere Bearbeitung.

Ich bin mit diesen Bildern dieses mal richtig zufrieden und freue mich darüber wieder jemand neues in mein Portfolio aufnehmen zu können. Diese Fotos sind so simpel entstanden – ein schöner Ort zum fotografieren und ein paar Pastell-Luftballons (Affiliatelink) – fertig. Zu den Bildern werde ich auf meiner Facebookseite vereinzelt etwas schreiben, wenn ich die dort hochlade. Wenn es euch interessiert, dann könnt ihr gerne mal dort vorbeischauen. Und wenn ihr schon dabei seid, dann checkt doch auch einfach mal Julias Webseite.

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