Entwicklungsängste und Stillstand

  • Du machst das echt gut! Dafür, dass du erst angefangen hast.
  • Das machst du wirklich prima! Dafür, dass [insert random…]
  • Deine Fotos find ich toll! Dafür, dass du zum ersten Mal aktiv Fotos gemacht hast._MG_1157

Ein Lob, ein Kompliment, aber irgendwie auch ein Dämpfer. Das ist wie „Du siehst toll aus – für dein Alter!“ – Man traut dir als Anfänger halt noch nicht soviel zu wie dem Profi. Man mutet dir noch nicht soviel zu wie dem Profifotografen, aber du willst gleich alles, du willst gleich Anerkennung von oben für das was du tust. Aber momentan kannst du dich noch auf deinen Welpenschutzlorbeeren ausruhen und die „Ist halt das erste mal gewesen“-Karte spielen. Aber was, wenn die verspielt ist? Für den Anfang – alles prima! Aber, was, wenn man irgendwann nicht mehr am Anfang steht? Was, wenn man etwas dann schon zum 100.ten mal gemacht hat. Was, wenn alles stehen bleibt und du dich gar nicht mehr veränderst und kaum noch dazulernst? Die Lernkurve kann nicht ewig steil bleiben – nicht so wie am Anfang, wo du noch nichts weißt und soviel lernst und soviel aufnimmst und soviel umsetzt. Was, wenn du dich nur noch im Kreis drehst und gar nicht mehr weiterentwickelst? Was, wenn die Erwartungshaltung plötzlich eine ganz andere ist und du nicht mehr vom Welpenschutz profitieren kannst?

[quote]What if I stop improving?[/quote]
_MG_1151

Ich freue mich unglaublich über Lob – egal ob beruflich oder bzglst. meiner Hobbies, aber ich habe – schon immer – irgendwie Schwierigkeiten damit genau das auch anzunehmen. Weil ich weiß – andere machen’s besser. Weil ich denke: „…dafür, dass du [insert random phrase from above]“ oder „Die wollen doch nur nett sein!“ oder „Ist doch selbstverständlich!“ – Mir wurde gesagt, dass ich daran arbeiten müsse und das tue ich und ich glaube, dass das ein Arschtritt in die richtige Richtung ist. Ich predige jedem, der es hören will, dass er mit ein wenig Arroganz seine Fähigkeiten selbstbewusst realisieren und präsentieren soll, aber selbst muss ich mich dazu zwingen es zu tun. Aber je öfter ich mich dazu zwinge etwas zu tun, was ich nicht gut kann und worauf ich eigentlich gar nicht so wirklich Lust habe, desto besser werde ich. So hab ich Klavier spielen gelernt. So hab ich Freunde gefunden – weil ich irgendwen angequatscht hab, obwohl das manchmal Überwindung kostet. So hab ich meinen Standpunkt im Leben manifestiert. Bungee Jumping? Ich würde während dem Sprung noch vor Angst brechen, aber wie geil ist das denn, wenn du die Erfahrung mit auf deiner Liste aufnehmen konntest? Wie spannend es sein kann Dinge zu tun, die absolut nicht bequem sind? Es ist gemütlich nur zu Hause zu hocken und Serien zu schauen, aber wenn dann die Welt stehen bleibt, dann reiße ich lieber die Grenzen meiner Comfort Zone ein und dringe in Gewässer ein, die ich vorher nicht gekannt habe. In Welten, die mich voranbringen und die Zeilen meiner Lebensgeschichte schreiben. Kein Bock nur Sesselpupser zu sein, keine Lust nur meine Zeit abzusitzen und zwei mal im Jahr Urlaub vom Alltag zu haben. Die Wellen kommen und gehen und bewegen sich stetig. Selbst eine gefährliche, scharfe Glasscherbe wird durch die stetigen Bewegungen des Meeres irgendwann zu einer glänzenden Murmel.
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8 thoughts on “Entwicklungsängste und Stillstand

  1. Ich hab das auch zu dir gesagt 🙂 Das liegt ganz einfach daran, dass die Fotografie an sich, das ist nicht schwer. Man kann platt sagen: Knöpfchen drücken. Es geht aber um den Blick und das Motiv und vor allem (! ja wirklich) um die Nachbearbeitung. Anfangs haben manche so einen Blick nicht. Und gerade in der Bearbeitung neigen viele anfangs super zu über(oder unter-)treiben. Daher ist es ein erstauntes, aber auch echtes Lob, wenn jemand sagt: „Wow richtig toll, dafür, dass du erst gestern angefangen hast!“ Dann hast du nämlich den Blick und die Motive und die Bearbeitung drauf! Irgendwann hast du das nicht mehr erst seit gestern gemacht und dann kommt maximal ein: Na ja klar ist es gut, das kann man ja wohl erwarten, wenn die das schon seit 4 Jahren macht. In die „oje I stopped improving“-Phase kommt jeder noch früh genug 😀 und dann geht es wieder weiter. Oder man macht eben was anderes 😉

  2. Das mit den Komplimenten kann ich gut nachvollziehen xD Natürlich freut es einem, dennoch bin ich meist ziemlich realistisch was Komplimente angeht. haha
    Also ich bewundere es schon, dass du es schaffst aus deiner Comfort Zone zu kommen. Ich kann mich zu vielem nicht wirklich überwinden 🙁
    Sehr schöner Text übrigend ^.^

  3. Ich muss ehrlich sagen, dass ich zunächst ein wenig skeptisch war. Postings zu Stillstand und Weiterentwicklung häufen sich während der Abitur-Zeit irgendwie. ABER vor allem der Vergleich mit der Glasscherbe ist dir wunderbar gelungen.
    Das meine ich jetzt ganz ohne Welpenschutz und vollkommen ehrlich: du schreibst wunderschön. Du machst wunderschöne Fotos. Du BIST wunderschön.
    Und ja, diese Komplimente musst du jetzt annehmen, denn sie kommen von Herzen.

    Liebst,
    http://invisibleirishprincess.blogspot.de/

    1. dankeschön… das ist lieb von dir!=) ich versuche momentan ein bisschen mehr Text zu schreiben! 😀 😀 schön, dass sie dir gefallen ^-^

      hehe – ist gerad Abiturzeit? 😀 Das ist bei mir leider schon eine Ewigkeit her hahah 😀

  4. Sehr poetisch!
    Ich denke, dass Welpenschutz an sich ’ne gute Sache ist, aber nicht in jedem Feld. Vielleicht kann nicht jeder auf anhieb bestimmte Dinge, aber manche haben einfach ein Naturtalent oder eben schnell gelernt… Warum dann relativieren? Du läufst mit ’ner Kamera durch die Gegend und machst super schöne Bilder – ob Anfängerin oder nicht ^.^

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