Freedom of speech

Ich glaube an die Meinungsfreiheit – so wie es jeder tun sollte, der das Glück hat in einem Staat zu leben, in dem Meinungsfreiheit tief in den Grundrechten verankert ist. In dem jeder das Recht hat seine Meinung frei zu äußern und zu verbreiten. Das Blöde an Halbwissen ist, dass es Leute gibt, die sich alles so legen, wie es ihnen am besten passt und sich ihre „Meinungsfreiheit“ als Totschlargument zurechtzulegen, wenn es darum geht an anderen Leuten rumzukritteln und denen mal so richtig eine reinzuwürgen – ist ja auch Meinungsfreiheit, gell?

Nun in unseren Gesetzen steht halt nicht „Sei kein Arschloch“, aber da steht drin, dass Meinungsfreiheit trotzdem ihre Schranken hat – und das genau dann, wenn es um die persönliche Ehre eines Einzelnen geht. Also – nur weil du der Meinung bist, dass jemand dumm ist, heißt das noch lange nicht, dass du das Recht hast ihm das zu sagen. Und mal abgesehen von dem ganzen Gesetzeskram, der durchaus seine Berechtigung hat und zurück zu den allgemeinen Grundsätzen sozialer Normen und einem netten Miteinander. Nur weil man ehrlich ist, heißt das noch lange nicht, dass man gut ist. Denn auch ein Narr kann ehrlich sein und eine Meinung haben. Eine Meinung, die auf einem beschränkten Horizont basiert, gebildet mit fehlender Empathie und noch viel mehr Ignoranz. Guess what – Ehrlichkeit und soziales Verhalten schließen sich nicht aus – nein sie bestärken einander.

Meinungsfreiheit ist gut, prima und hilfreich. Sie ist der Grundstein dafür weiterzukommen – der Grundstein für Kritik positiver und negativer Art. Meinungsfreiheit ist wichtig und notwendig, aber Meinungsfreiheit ist vor allem auch Auslegungssache. Denn nur weil du von deinem Recht Gebrauch machst deine Meinung zu äußern, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht von meinem Recht Gebrauch mache nicht zuzuhören. Wer seine Meinung nicht anständig rüberbringen kann, der braucht sich auch nicht wundern, wenn sie keinen interessiert. Wenn Gegenwind und Unverständnis kommen. Du willst, dass man deine Meinung hört? Well maybe try to add some sense to it. Gründe, Hintergründe, Worte, Erklärungen, Wünsche, Intentionen – das sind alles Dinge, die zu einer Meinung gehören und die wichtig dafür sind, wenn man will, dass die Meinung auch gehört und angenommen wird.

[readolog_highlight ]Some ppls idea of freedom of speech: „I can be as rude and insulting as I want and you’re not allowed to get mad.“[/readolog_highlight]

Und ja – es ist möglich, dass eine Meinung falsch ist. Es ist möglich, dass eine Meinung so richtig dumm ist. Gerade dann, wenn sie verallgemeinert und gerade dann, wenn sie auf sinnlosen, haltlosen Annahmen basiert. Eine Meinung über die „blöden“ Chinesen (Zitat: „Schlitzaugen“) zu haben, weil in Yulin Hunde getötet werden, obwohl Asien so viel mehr ist als nur Yulin. Eine Meinung über „die“ ungebildeten Amerikaner zu haben. Eine Meinung über DIE Afrikaner zu haben (Hey – wisst ihr was? Afrika ist kein Land, das ist ein Kontinent mit zig Ländern, Kulturen und Randgruppen!!!). Eine Meinung über DIE Ausländer, DIE Flüchtlinge zu haben. DIE DIE DIE DIE DIE DIE. DIE ANDEREN SIND SCHULD. DIE Flüchtlinge, die angeblich hierher kommen, euch eure Jobs wegnehmen (schon mal dran gedacht, dass ihr einfach so dermaßen schlecht qualifiziert seid, wenn es jemand, der eure Sprache nicht spricht den Job eher bekommt als ihr?), eure Frauen missbrauchen und eure Kinder entführen. Ich bin ohne „richtige“ Fremdenfeindlichkeit aufgewachsen – mal hier und da hat ein Kind „Schingschangschong“ gerufen, aber was ist das denn schon im Vergleich zu dem, was das gerade in Freital abgeht? Man versteht gar nicht, wie real und existent dieses Thema ist, bis es immer näher kommt und immer ekelhafter wird.

Ich gehe gern in deutschen Wirtschaften essen – wunderbares Essen. Je uriger, desto besser. Aber ich fühle mich im ersten Moment immer unendlich unwohl – mit betreten der Türschwelle, habe ich diese kleine irrationale Angst im Hinterkopf, dass in der Ecke ein alter, garstiger Opa sitzt und mir einen Schlitzaugenspruch oder einen Katalogehefrauspruch reindrückt. Dabei ist mir sowas noch nie in meinen 25 Jahren passiert. Genau so wie es euch wahrscheinlich (Ausnahmen bestätigen die Regel) noch nie passiert ist, dass ihr euch im Zweikampf gegen einen „Ausländer“ um einen Job behaupten musstet. Dass euer Kind „dem“ Flüchtling zum Opfer fiel etc. Und trotzdem stellt ihr diese Behauptung auf – diese irrationale Angst, die ihr hervorschiebt, um euren Hass zu rechtfertigen.

Man denkt sich in seiner perfekten-rosa Welt, dass es sowas ja eigentlich gar nicht so richtig gibt – nur dort ganz entfernt, wo die Arbeitslosenquote hoch ist, die Renten niedrige und die Bildung nicht ganz so wichtig. Und dann diskutiert eine Jana mit irgendwelchen Fremden im Zug. Und irgendwie landet diese doch tatsächlich vorhandene Realität plötzlich in deiner Twittertimeline – dort wo alle so liberal und tolerant sind – wo es eigentlich keine Sau interessiert, wo du herkommst. Und man denkt sich: „Boa – ja – deren Meinung ist einfach nur scheiße.“

Meinungsfreiheit ist nicht dazu da, dass man sein Anliegen arrogant und überheblich einfach in den Raum rotzt – mit vollem Bewusstsein und der Intention eine Reaktion aus dem Gegenüber herauszukitzeln oder seinen Frust abzuladen. Sie ist nicht dazu da andere Menschen absichtlich zu beleidigen oder zu verletzen. Sie ist dazu da seine Werte, seine Einstellungen gegenüber einer Sache, seine Überzeugung offen zu legen, ohne Angst zu haben bestraft oder verfolgt zu werden. Don’t waste your rights.
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