Ich kann keinen Stillstand

Meine Freundin sagt, dass sie gelesen hat, dass man sich auch mal bewusst langweilen soll. Wir haben verlernt uns zu langweilen – wir sind ständig unter Strom. Wir haben Angst Dinge zu verpassen und halten keinen Stillstand aus. Ich halte Stillstand nicht aus. Wenn ich eine Woche Urlaub habe, dann baller ich mir jeden Tag mit Programm voll. Nach einem Tag Nichts-Tun werde ich wahnsinnig. Wir sind ständig unter Strom. Literally. Mit dem Blick auf’s Smartphone – die neusten Reisebilder deiner Ex-Kommilitonen. Dein Kumpel ist gerade in Singapur, deine Freundin in Peking, während die Blogger der Nation zum Coachella pilgern oder in Paris abchillen. Und schon bist du Mitte 20 und hast immer noch keinen Auslandsaufenthalt hinter dir, während deine Jugendfreundin ihre mehrjährige Weltreise plant und deine anderen Kommilitonen so langsam alle ihre neuen Jobs antreten. Ich mag es bequem, aber ich mag es nicht bequem. Ich habe Angst mit 40 aufzuwachen und zu bereuen. Bereuen, nicht alles das gemacht zu haben, was ich wollte. Weil das Leben dazwischen kam, weil Klausurphase war, weil weil weil… Alles Ausreden! Ich kann keinen Stillstand – weil ich keinen Stillstand brauche und auch gar nicht will. Aber das Bett ist so gemütlich – nur noch 5 Minuten. Nur ganz selten, nur ganz kurz. Stillstand in der Sonne – mit einem Glas Wein. Ich renne vor der Zeit weg – in der Hoffnung nicht eingeholt zu werden. Jeden Tag meine Geschichte schreiben – bloß nichts vergeuden. Kein Stillstand – auch wenn ich im Kreis laufe und von Vorne anfangen muss. Aktiv sein – das beste Gefühl.

Fotos: Alexander Möhle
mici-ngo-8625 mici-ngo-8645mici-ngo-8684mici-ngo-8688

6 thoughts on “Ich kann keinen Stillstand

  1. Bei mir ist es so, dass ich einerseits nicht will und nicht möchte, aber dann doch ab und zu mich „zwinge“. Manchmal braucht man auch eine Auszeit und es tut sooooo gut, wenn man 24/7 auf Achse ist.

    Komischerweise gibt es dann auch bei mir Phasen, wo ich (übertrieben gesagt) wochenlang am liebsten nichts tun würde, obwohl ich innerlich den Drang verspüre endlich etwas zu tun und dann warte ich so lange, bis ich es nicht mehr aushalten kann und das ganze geht wieder von vorne los. Verrücktes Leben! 😀

  2. Ich bin super in „Stillstand“ 😀 Allerdings eher in der Meditation – Langeweile finde ich doof. Ein paar Minuten reichen mir oft schon aus. Aber wenn ich mal einen Tag überhaupt keine Zeit für ein bisschen Ruhe finde, stört mich das sehr und ich merke es sofort an meinem Körper.

  3. Bei mir sieht es derzeit genauso aus! Jeder Tag ist vollgepackt und wenn ich doch einmal einen ruhigen Tag habe, verbringe ich ihn mit meinem Blog oder Unikram. Irgendwie macht es ja auch Spaß, immer etwas zu tun zu haben, aber ein wenig freue ich mich schon auf die Semesterferien, wo ich dann einen Tick zurückschalte und versuche etwas Stillstand zu erzeugen 🙂

    Liebe Grüße,
    Vita

  4. Dieser Post beschreibt den Zwiespalt sehr genau – man will sich nicht immer abhetzen, aber auch nichts verpassen und nichts bereuen. Ich kenne das. Ich möchte auch am liebsten überall dabei sein und das gleichzeitig, nichts verpassen und alles erleben – das hat sich in den letzten Jahren ziemlich geändert, denn früher war ich wesentlich ruhiger.
    Nach den aufregenden Tagen brauche ich aber auch Internet, Sofa und Serie – um die Akkus wieder aufzuladen.

  5. Das kenne ich zu gut… Wenn ich mal merke, dass ich wieder ein bisschen Puffer zum Nichtstun habe, suche ich mir wie von alleine eine neue Aktivität. Aber solange einem die Dinge, mit denen man den Tag vollballert, gerne macht ist doch alles in Butter 🙂
    Liebe Grüße,
    Christina

  6. Hey! Ich kenne das, jeden Tag hat man einen Terminplan und hetzt manchmal von der einen Stadtseite zu anderen. Es ist echt manchmal schwer, sich selber zu bremsen oder sich mal mit einer Freundin die Zeit für eine Kaffeepause zu nehmen. Aber ich euch nur sagen, dass das zwischendurch echt mal gut tut und man sich unbedingt eine Auszeit nehmen sollte! Ich wurde z.B vor kurzem von meiner Freundin überredet, mit ihr eine Art “ Refugium für Genießer “ mitzumachen :D…das hört sich komisch an^^, aber wir waren in einem kleinen Hotel in Südtirol und haben einfach mal 3 Tage ausgespannt…das tat wirklich gut!….Also nehmt euch auch mal Zeit! LG, Nora

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

css.php