Warum Fotografen manchmal (fälschlicherweise) unnahbar und arrogant wirken

Ich tummel mich seit letztem Jahr in dieser Welt voller Hobby – & Profifotografen und – Models. Bis heute schreibe ich so gut wie nie Fotograf/innen an, um nach einem Shooting zu fragen. Zumindest nicht ungefragt. Grund dafür ist – was mir manchmal „Angst“ gemacht hat – die Unnahbarkeit mancher Fotografen, die von anderen eventuell als Arroganz empfunden wird:

Warum ich Fotografen selten oder nicht anschreibe, um nach einem TfP-Shooting zu fragen

  • Einige Fotografen verdienen ihre Brötchen mit ihren Bildern und das erwähnen sie.
  • Ich persönlich denke mir, dass diese Person so viele schöne Menschen trifft, sieht und fotografiert. Fotografen – egal wie hoch ihre Reichweite ist – haben die Wahl zwischen zig hübschen Menschen, wenn ihre eigenen Bilder eine gewisse Beliebtheit in der Menge genießen.
  • Man bekommt das ja mit, wenn ein Fotograf sich auf seiner Facebookseite über eine Nachricht aufregt.

Fazit: Wenn man als halbwegs intelligenter Mensch eins und eins zusammenzählt, dann spielt sich so einiges im eigenen Kopf ab. Ich persönlich frage mich dann, ob ich einen Mehrwert für das Portfolio dieser Person biete. Wieso sollte eine Person, die normalerweise Geld für eine Fotostrecke inkl. Nachbearbeitung in Rechnung stellt auf dieses Honorar verzichten, um sich mit so ner Tussi wie mir abzugeben (überspitzt formuliert)? Genau dann traue ich mich nicht den oder die Fotografin anzuschreiben, weil ich befürchte, dass sie meine Mail sieht, die Augen verdreht und sich denkt: Wat will die Olle denn?

  • Meine Stärke sind definitiv Portraitaufnahmen – ich kann „ungeschminkt“ recht gut –> deswegen melde ich mich auf genau solche Ausschreibungen.
  • Was ich nicht kann sind Dessous/Lingerieaufnahmen – ich fühle mich halbnackt vor der Kamera nicht wohl und das würde man auch sehen. Ich wäre für einen Fotografen also ziemlich nutzlos – mehr Arbeit und nettes Zureden, als sinnvolle Ergebnisse. Deswegen würde für solche Fotos einen Fotografen, dessen Fotos mir gefallen, engagieren und bezahlen. Dann geht’s nämlich nur darum, ob mir die Bilder gefallen – nicht darum, ob ich jemandes Ansprüchen gerecht werde.

Warum erwähnen Fotografen andauernd, dass fotografieren Arbeit ist?

Mal von den offensichtlichen Gründen wie Vorbereitung & Nachbereitung & Verschleiss abgesehen: Warum erwähnen sie andauernd wie lange sie an einem Bild gesessen haben und wieso regen die sich über gewisse Nachrichten auf oder erwähnen, dass sie nicht jeden Arsch fotografieren wollen? Ich habe einige Fotograf/innen angeschrieben und sie darum gebeten mir ein paar Dinge zu nennen über die sie sich aufregen, wenn sich Leute bei ihnen zwecks Fotokooperation melden. Vielen Dank an Fynn, Patrick, Ben Peter und Benjamin Alexander an dieser Stelle.

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Fazit: Dass man sich über diese Nachrichten aufregt und dann einfach kein Bock mehr auf diese Person hat, hat primär nichts mit Arroganz zu tun. Fotografen erwähnen meiner Meinung nach ständig, was für eine Arbeit sie haben, weil sie ständig damit konfrontiert werden, nicht gewertschätzt zu werden. Das war’s auch schon. Wertschätzung. Dass die Erwartungshaltung besteht, dass eine Person nur ihren Arsch irgendwohin wackeln muss und sich in ein gemachtes Nest setzen kann. Es besteht weniger Wertschätzung dafür, dass man seine Kamera in die Hand nimmt, sich Gedanken macht, vorbereitet und nachbereitet – weniger Wertschätzung für diese Arbeit, als für die eines Bäckers, bei dem nicht über den Preis der Brötchen verhandelt wird – geschweige denn überhaupt in Frage gestellt oder um eine kostenfreie Leistungserbringung gebuhlt wird. Wenn es um Wertschätzung geht, dann fängt es bei grundlegender Höflichkeit an. Wieso muss man manchen Leuten eintrichtern, dass „Hallo XYZ“ und „Liebe Grüße“ einfach dazugehören?

Habt ihr euch schonmal auf einen Job beworben?

Selbst bei einem Aushilfsjob ist doch das erste Anschreiben das A und O, wenn es darum geht, wenn man etwas initiieren will. Wenn man will, dass jemand etwas für einen tut, dann ist das doch genauso? Schreibt ihr dann auch „Cooler Job! Habe Interesse! Wo ist das? Nach meinem Lebenslauf muss man erst noch fragen und überhaupt findet man den ja auch schon, wenn man mich googlet!“ – Na kein Wunder, wenn ihr bis heute arbeitslos seid.

Wenn mich eine 15 Jährige wie oben beschrieben anschreibt – dann dulde ich das und führe es auf Unwissendheit zurück. Wenn eine erwachsene Person nicht einmal in der Lage ist eine ordentliche E-Mail zu formulieren, in der eine Anrede, die Intention und das eigene Können dargestellt sind, dann stellt sich mir die Frage, ob ich mich überhaupt mit so jemandem abgeben will? Wer zu blöde oder zu faul ist meine Ausschreibung zu Ende zu lesen, in der steht, dass man sein Portfolio oder aussagekräftige Bilder mitschicken soll, ist doch wahrscheinlich auch zu blöde, um sich an das zu halten, was man für ein Shooting vereinbart, oder?

Folgende Erwartungshaltung habe ich persönlich:

  • Hallo, mein Name ist XYZ.
  • Ich komme aus XYZ und erzähle dir noch in ein paar prägnanten Sätzen etwas über mich.
  • Das sind meine Stärken, von denen du profitieren könntest.
  • Ich habe folgende Idee und würde die gerne wie folgt umsetzen = Idee + Vielleicht schon fertige Looks, Locations, Makeupartists, Moodboards o.Ä.
  • Dinge, die einfach zeigen, dass man sich Gedanken gemacht hat. Dinge, die zeigen, dass du dich nicht einfach nur mit deiner Existenz auszeichnest, sondern mit Engagement und Leistung.
  • Bilder von dir (!): Ich persönlich erwarte Bilder, auf denen man gut zu erkennen ist. Das muss kein Shootingbild sein – mir reichen Bilder vor einer weißen Wand, mit einem schlichten Oberteil – lächelnd oder auch nicht. Von mir aus auch ein Handybild. Jeder tickt da anders, aber wer das nicht einschätzen kann, der schickt nach eigenem Ermessen Bilder und fragt dann, ob diese in Ordnung seien und wenn nicht, könnte man noch weitere nachreichen.
  • Fakt ist: Du willst was von mir – dann tu doch auch was dafür mich zu überzeugen (gilt btw. in beide Richtungen).

Noch ein Lösungsweg für Fotografen

Ben war so freundlich mir seine Vorgehensweise zu erläutern – die werde ich euch Copy-Paste hier darstellen und hoffe, dass sie euch weiterhilft:

„Für die „Geile Bilder! Hätte auch mal Bock auf ein Shooting“-Mail habe ich mir in Facebook eine Antwort vorgefertigt, genauso wie zu ein paar anderen Themen (Gibt ebenfalls eine Vorlage zu „Was bedeutet TfP für mich“) und die sende ich dann direkt raus. Das lässt mir die Möglichkeit relativ umfangreich zu antworten, aber nicht jedes Mal die Zeit für eine solche Antwort aufbringen zu müssen.“

„Ich finde das Anschreibeproblem ist ein Selbstgemachtes. Gerade wenn man hört und vor Allem sieht, mit was sich die Models konfrontiert sehen. Wie sagt man so schön, so wie es in den Wald herein ruft, so schallt es heraus. Ich bin mir sicher, dass man durch das eigene Auftreten und die Aussenwirkung ein bisschen dagegen steuern kann, bei mir taucht die Nennung von freien Arbeiten usw. öffentlich eigentlich nie auf, umso weniger werde ich hierzu auch angefragt. Klar kommt immer mal ein Schwung, wenn du größere Sachen hast, ich muss aber sagen, mit jedem Tag wird das weniger und vor Allem werden die Anfragen, egal ob TfP oder Pay, doch ein bisschen umfangreicher. Zwar muss man häufig nach dem Anschreiben mal nachfragen was sich die Leute wünschen/erhoffen, aber dann schreiben sie meist zumindest soviel, dass ich ein Bild davon habe, was von mir gewünscht ist und ich kann mich dann entscheiden, ob ich das machen will. Ich versuche auch Jedem zu antworten und immer in einer Art, die so solchen Hin und Her mit einzelnen Sätzen gar nicht erst zulässt. Vielleicht setzt man damit das Gegenüber auch unter Druck, mehr als nur ein/zwei Satzfetzen zu liefern.

3 thoughts on “Warum Fotografen manchmal (fälschlicherweise) unnahbar und arrogant wirken

  1. Toller Bericht Mici und cool dass du die Meinung verschiedener Fotografen inkludiert hast! War sehr interessant zu lesen.

  2. Ich habe mal das Baby von einem Freund fotografiert. Ich habe Fotodesign studiert und gesagt: Die Bilder schenke ich euch zur Geburt der Kleinen. Alles okay, ich wollte das so.
    Beim späteren Kaffeeklatsch hält er mir HandyBilder vor die Nase und sagt: „Sieht doch viel schöner und persönlicher aus, als die vom Profi, oder?“
    -___-
    Okay, er meinte nicht meine Bilder (sondern eine andere Fotografin, die direkt im Krankenhaus fotografiert hat), aber trotzdem tat das schon ein wenig weh.
    „Wieso sollte ich für diese Bilder bezahlen? Ich kann das doch auch.“
    Und ich blöde Nuss schenke denen meine Bilder auch noch xD

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