Wir könnten, wenn wir wollten

Es ist traurig, wenn ein Teil deines Lebens kein Teil mehr deines Lebens ist. Wenn die Menschen, die dir mal etwas bedeutet haben irgendwie von der Bildfläche verschwinden. Nicht, weil man Streit hatte – nur weil man einfach keine Verbindungspunkte mehr hat. Verschiedene Karrieren, verschiedene Freundeskreise, ein anderes Leben. Deswegen funktionieren soziale Netzwerke. Man hat seine Jugend auf dem Schirm – man hat zwar nichts mehr mit den Schulfreunden zu tun, aber man könnte sie trotzdem jederzeit kontaktieren, wenn man denn wollte. Wir sind nicht daran gebunden uns auf den Zufall oder das Schicksal zu verlassen – eine alte Schulfreundin oder den Exfreund zufällig auf der Straße zu treffen. Wir können einfach eine Nachricht schreiben, auch wenn die Handynummer schon irgendwo im Nirvana gelandet ist. Wir könnten, wenn wir wollten, aber wir wollen eigentlich gar nicht. Aber wenn uns die Möglichkeit genommen wird, dann piekst es doch ein wenig im hintersten Eck deiner Gedanken. Dabei könnte eigentlich alles ganz einfach sein – man könnte anklopfen und sich auf einen harmlosen Kaffee verabreden, aber worüber soll man sich schon unterhalten? Smalltalk kann ich – kann ich gut. Muss ich auch können – sollte jeder können, der mit anderen Menschen zusammenarbeitet, aber was bringen einem 20 Minuten Kaffeegeplänkel? Die Zeit vergeht, die Themen verschwimmen – wir driften alle so weit auseinander. Wir sind nur noch Fremde, die sich mal gekannt haben. Die Erinnerungen an die Dinge, die früher so wichtig waren verschwimmen und man fragt sich: Was wenn du in 10 Jahren genau so auf dein jetziges Leben blickst, wie du es über dein Leben vor 5 Jahren tust?
_MG_1720

13 thoughts on “Wir könnten, wenn wir wollten

  1. Sehr guter Beitrag. Habe gestern erst zu einem Menschen der erst seit kurzem sehr intensiv in meinem Leben ist gesagt, dass wir könnten wenn wir wollten.

  2. Ich kann kein smalltalk und werd es auch nie können 🙁 dennoch komm ich super klar auf der Arbeit mit den anderen
    Aber „was bringt ein das“ ist richtig. Ich hab nicht mehr gern Kontakt zu den alten Leuten aus der Jugend. Ich werd auch nicht gern an diese Zeit erinnert :/

  3. Ich mag dein Konzept mit den Bildern und den Texten sehr gerne – man freut sich irgendwie doppelt auf verschiedenen Ebenen~

    Und nun zum Text:
    Das ist das, was mich so sehr am Facebook-Freunde-Sammeln so sehr irritiert: Viele schicken eine Freundschaftsanfrage los, weil man sich irgendwo auf einer Party mal über den Weg gelaufen ist, mal kurz Hallo gesagt hat oder man sich wirklich mal „kannte“. Ich hasse „Leichen“ in der Freundschaftsliste – Menschen mit denen ich einfach nicht befreundet bin, für die ich mich nicht interessiere und mich nicht darüber freue, dass sie zu Mittag ein Steak gegessen habe, gehören einfach nicht in meine Facebookliste – aber das macht man ja nicht. Sobald man diese Menschen dann nochmal trifft, wird es awkward weil man sich ja nicht mehr auf Facebook hat. Es ist bescheuert, aber in unserer Gesellschaft vergewaltigen wir das Wort „Freund“ fast täglich.

  4. Guter Text und auch ich melde mich kaum noch bei ehemaligen Freunden auch wenn ich es manchmal möchte und dann doch wieder weiter schiebe.
    Dabei war man damals so gut befreundet und hat so gut wie alles miteinander geteilt. Heute ist davon nicht mehr viel übrig, bis auf die Erinnerung. Viele Menschen werden einem nach der Zeit einfach doch wieder fremd.

  5. Sehr guter Beitrag, der einen aber ins kalte Wasser wirft! Gut, dass mein Gewissen wegen des heutigen Morgenkaffees mit meiner Schwester, die ich normal wirklich nur per Whatsapp kontaktiere, befriedigt ist. Aber es stimmt dennoch: wir könnten, wenn wir wollten. Tolle Bilder, wie immer!

    Viele Grüße

    mtrjschk.blogspot.de

  6. Jemanden als „Freund“ anzunehmen gehört heutzutage anscheinend irgendwie zu den Pflichten der guten Internet-Etikette, denke ich mir manchmal – denn warum wären die Leute sonst beleidigt wenn man es nicht tut? Facebook & Co. wirken sich aber nicht nur auf die Möglichkeiten aus, ehemalige Freunde zu stalken, kontaktieren zu können und ähnliches, sondern auch auf die RICHTIGEN Freundschaften, jedenfalls auf einige.

    Die Vorfreude darauf sich zu treffen und sich auszutauschen verschwindet. Man kennt ja alles schon. Leute sagen Dinge wie „Du weißt ja, dass XYZ passiert ist. Ich finde…“ Wenn man dann sagt man wüsste nicht worum es geht, dann heißt es. „Was?! Hab ich doch gepostet! Musst du mal gucken!“ Und dann wird es nicht erzählt – sondern gezeigt.

    Irgendwie ist unsere Welt komisch geworden. Wenn man klingeln geht um zu wissen ob jemand da ist, dann ist es unhöflich – man könnte doch vorher mal schreiben oder anrufen. Wenn man nicht zurückschreibt ist aus auch unhöflich – denn whatsapp hat ja jetzt blaue Häkchen, die sagen, dass man es gelesen hat.

    Und trotzdem, trotz unserer ganzen Selbstreflexion und unseren Überlegungen sitzen wir mittendrin – und schlimm ist das ja auch nicht immer. Ich mag es zu lesen was jemand gepostet hat (wenn ich Lust darauf habe) ich mag es selbst die Möglichkeit zu haben Dinge zu teilen, aber ich mag es auch jemanden zu treffen und etwas neues zu hören, das passiert ist, mit jemandem zu reden oder in den Urlaub zu fahren und das ohne Internet, ohne Neuigkeiten ohne alles zu wissen.

    Ich habe vor ein paar Tagen einen Post dazu geschrieben, indem es genau darum geht, vielleicht interessiert er dich. http://positiviphy.wordpress.com/2014/11/12/the-one-about-randomness/

    Puh nun ist mein Kommentar halb so lang wie dein Text … ich hoffe man sieht noch durch was ich gemeint habe 😀

    1. ich denke auch, dASS echte beziehungen darunter leiden. ich habe z.B. mal eine FB-Einladung dazu bekommen, ob ich auf einen Vogel aufpassen könnte und eine Freundin hat eine FB Einladung zum Umzug bekommen… das fand ich eine richtig unverschämtheit… wenn man jemanden um einen Gefallen bittet und nicht mal in der Lage ist die Person persänlich zu fragen, brauch man sich echt nicht wundern, dass sich keiner zurückmeldet!!!

      1. Oha, das hatte ich noch nicht, aber es klingt als ob sich das echt eigenartig anfühlen würde. Stell mir grade vor, wie es wäre wenn mein Freund mich auf facebook zu nem Date einladen würde 😀 😀 oder zum Mittag kochen in die Küche! Wer weiß wo wir noch hinkommen 😉

  7. Wie recht du mit deinen Worten hast. Allerdings muss ich auch trotz des Internets immer noch sagen, dass es bei mir so ist, dass Freundschaften auseinander gehen, wenn man sich nicht mehr regelmäßig sieht. Finde ich eigentlich total schade.

    Das Kleid sieht übrigens echt toll aus 🙂

    1. … leider ist das so… ist auch fast unvermeidbar – weil man teilweise ja auch beruflich auseinander geht.. also weite entfernungen einen trennen 🙁

  8. Sehr toller Text! Und so wahr. Gerade habe ich darüber nachgedacht, welche Freunde ich in meiner Facebook-Liste habe.. ja, wir könnten, wenn wir wollten.

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