Bei Geld hört die Freundschaft auf

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Ein Satz, der eigentlich jedem geläufig ist. Und irgendwie kommt es dann doch dazu, dass sich die Menschheit tagtäglich über unzuverlässige Menschen ärgern muss und wir in einer Gesellschaft leben müssen, in dem die finanzielle Zuverlässigkeit einer Privatperson festgeschrieben und gescored wird, weil man von vornerein davon ausgehen muss, dass es zu einem Zahlungsausfall kommt. Sei es in geschäftlicher Hinsicht, wenn eine Bank eine Person auf ihre Kreditwürdigkeit prüft oder sei es ein Freund / Bekannter, dem man hinterherrennen muss, weil er oder sie es nicht gebacken bekommt, geliehenes Geld zurückzuzahlen. Ein Zahlungsausfall hängt natürlich nicht ausschließlich vom Charakter einer Person ab. Denn jeder von uns muss damit rechnen, dass er zum Beispiel seinen Job verliert und ggf. nicht so schnell einen Neuen bekommt. Oder man gerät in einen furchtbaren Unfall und ist nicht mehr in der Lage seinen Job auszuführen. Solche Schicksalsschläge lassen sich weder ex ante bestimmen, noch lassen sie sich vermeiden. Wenn es dazu kommt, na dann kommt es nunmal dazu – und der Zahlungsausfall hat keine Verbindung mit dem entsprechendem Charakter.
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Der Charakter spielt meines Erachtens aber eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, mit einem eingetroffenem Zahlungsausfall umzugehen. Wir wissen alle, dass man hibbelig wird, wenn man auf Geld warten muss. Vor allem, wenn jemand einem noch was schuldig ist, weil man mit der Unsicherheit leben muss, wann und ob man es zurückbekommt – je höher der Betrag im Verhältnis zum eigenen Einkommen, desto mehr das Ärgernis. Ich persönlich finde es richtig ätzend, wenn ich jemandem eine gewisse Summe an Geld schulde [Ok, ich kann nicht ausschließen, dass ich mir mal hier, mal da 2-3 € geliehen habe und dann vergessen habe es zurückzuzahlen – Zu meinem eigenen Leidwesen – Wenn dem so ist, bitte erinnert mich jemand daran!]. Wenn ich aber wüsste, dass ich jemandem z.B. 100€ oder so schulde und mir ist es vollkommen bewusst, dass ich nicht in der Lage bin es momentan zurückzuzahlen, würde ich mich verpflichtet fühlen meinem Gläubiger auch über den aktuellsten Stand zu informieren. Thema Kommunikation – Gerade wenn man in die Lage kommt nicht zahlen zu können, so ist es das MINDESTE, dass man mit seinem Gläubiger gefälligst kommuniziert. Mit Abwesendheit, Ausreden und dem penetranten Ausweichen von Fragen ist niemandem geholfen. Es ist feige, unverschämt und asozial, sich Geld von Freunden zu leihen und denen dann auszuweichen. Denn gerade ein Freund ist dazu bereit Geduld und Verständnis zu zeigen, was aber nicht selbstverständlich ist und nicht ausgenutzt werden sollte. Am liebsten habe ich natürlich die Personen, die sich Geld leihen wollen, weil sie irgendeinen Scheiß konsumieren wollen, der nicht einmal wichtig ist und dann, wenn sie es zurückzahlen sollen permanent in Geldnot sind – aber man zeitgleich auf Facebook oder Instagram sehen kann, wie sie sich tagtäglich einen teuren Starbuckskaffee oder Vapianogedöns reinziehen. Ist ja nicht so, als könnte man seine Schulden nicht auch in Raten abzahlen. Lieber sein Geld für Zuckerbomben verdüseln, anstatt Prioritäten zu setzen.

Versteht mich nicht falsch – MIR schuldet keiner Geld. Und ICH ärgere mich auch nicht darüber, dass ICH mein Geld nicht zurückbekomme. Ich kam an einem Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob und wieviel oder ab wann ich jemandem Geld leihen würde. Und ich kam zu der Annahme, dass ich niemandem kleine Geldsummen leihe. Ok, einmal lieh ich einer Freundin was, weil Spendierhöschen, aber sie hat es mir sofort zurückgezahlt, weil sie eine Person mit Anstand ist und keine dreiste Kackbratze. Es gibt für mich lediglich drei Situationen (im Zusammenhang mit diesem Thema), wenn ich mit Leuten interagiere:

  1. Ich bezahle und die andere Person bezahlt, weil wir beide genug Geld haben. /ENDE der Story
  2. Ich bezahle. /Erläuterungen unten
  3. Eine vertrauenswürdige Person braucht dringend Geld (Höhere Summen), weil sie sich sonst nicht über Wasser halten kann. /Erläuterungen unten

Zu 2.) Ich weiß entweder vorher, dass die Person kein Geld dabei hat, wenn wir zum Beispiel was essen gehen. Dann lade ich sie halt ein oder wir gehen nicht essen. Oder wir bemerken erst im Lokal, dass die Person kein Geld dabei hat. Naja, dann bezahle ich halt – wohl mit dem Wissen, dass ich das Geld nicht zurückverlangen werde, weil kein Bock drauf meinem Geld hinterherzurennen. Wenn ich nicht generell dazu bereit wäre, diese Person zum Essen einzuladen, dann würde ich sie einfach im Restaurant verrotten lassen. Soll sie doch Teller waschen oder mit Karte bezahlen – mir egal; hätte halt selber zusehen sollen, wie sie ihre Kosten deckt. Wer es mir danken will, der bedankt sich einmal anständig. Wem ein Danke nicht genug ist, der läd mich das nächste mal zum Kochen ein oder läd mich seinerseits zum Essen ein. Gerade bei Freunden ein stetiges Geben und Nehmen, bei dem man sagt „Hey – ich zahl nächstes mal“ und nicht „Hey, ich gebe dir morgen 15€ zurück“. Ist doch viel schöner, als um ein paar Euronen zu feilschen, oder?

Zu 3.) Vertrauenswürdige Person – wer ist das schon? Jede Person, bei der ich auch generell bereit wäre darauf zu verzichten mein Geld zurück zu bekommen. Personen, zu denen ich keinesfalls den Kontakt verlieren wollen würde [Familie und die allerengsten Freunde]. Es gibt natürlich die Möglichkeit Menschen Geld zu leihen und sich schriftlich/vertraglich abzusichern, um sein Geld zurückzubekommen. Vertragsbruch bedeutet im Umkehrschluss aber auch eine mögliche Klage. Eine mögliche Klage bedeutet Streit. Streit bedeutet Kontaktverlust. Und ihr könnt euch sicher sein, dass ich jeden verklagen würde, bei dem es mir egal ist den Kontakt zu verlieren. Die Argumentationskette zurückverfolgt bedeutet dies für mich: Ich leihe niemandem Geld – auch nicht per Vertragsabsicherung, solange ich nicht übergeordnet dazu bereit wäre meine Forderung auch fallen zu lassen. Denn wenn ich nicht dazu bereit wäre einer bestimmten Person Geld zu schenken, dann ist sie es auch nicht wert, dass ich ihr welches leihe.

5 thoughts on “Bei Geld hört die Freundschaft auf

  1. hu. Interessantes und brisantes Thema. Gefällt mir, deine Ehrlichkeit und auch wenn manche den Kopf schütteln, kann ich dich in gewisser Hinsicht nachvollziehen. Das Gute bei mir ist, dass jeder weiß, dass ich nie Geld habe. Aber nicht im Sinne von, dass ich mich durchschnorre, sondern, dass ich gar keinem was leihen kann. 🙂

  2. Ein eher selten angesprochenes Thema, aber interessant. Ich kann deine Haltung gut nachvollziehen. Bei Freunden handhabe ich es auch so, dass ich nicht den Betrag zurückverlange, sondern dass ich mit demjenigen „ausmache“ (eigentlich ist es unausgesprochen klar), dass der andere beim nächsten Mal bezahlt.

  3. Sehr interessanter Post. Ich bin generell nicht so der Mensch, der gern Geld verleiht, weil ich keine Lust habe, ihnen hinterher zu rennen und ich außerdem selbst nichts gerade die „reichste“ bin und jeden Cent benötige (vor allem, da ich kein Taschengeld bekomme UND nicht arbeiten gehe). Geld leihen tue ich nur meinen engsten und vor allem zuverlässigsten Freunden, wo ich auch weiß, dass ich das Geld nicht erst in drei Monaten wiederbekomme… Und ich leihe auch nur kleine Summen bis 5 Euro. Bin halt ein ziemlicher Geizkragen 😀 Und Geld selbst von anderen ausleihen mag ich überhaupt nicht. Entweder ich habe nun welches oder nicht 😀

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