Bildung muss kostenlos sein

Während dieser Blogpost online geht, freue ich mich, dass mein Semester in meinem Wahlstudiengang an meiner Wahluniversität vorbei ist und habe mich hoffentlich schon über diese Diskussion, die mir mittlerweile aus allen Körperöffnungen raushängt, abgeregt. Und zwar machen mich Aussagen genau dann wütend, wenn sie unreflektiert, undurchdacht und einfach nur undankbar, weil ignorant, sind. Diese Billigmentalität vieler Verbraucher geht mir auf die Nerven – alles muss billig sein: Lebensmittel billig, Medikamente billig, Klamotten billig, Arbeitskraft billig und am besten sollte man noch für die Bildung, die man bekommt, bezahlt werden. Und alles soll auf die Kosten anderer gehen und nicht auf die eigene Kappe.

Hintergrund meines Ärgernisses ist eine Diskussion in der Bloggerlounge. Jemand postet seinen Blogpost zum Thema: Finanzierung / Geldquellen während des Studiums. Bafög wird als eine Möglichkeit darin aufgeführt. Eine andere Person meint daraufhin sinngemäß, dass sie jeder Person davon abraten würde Bafög in Anspruch zu nehmen, weil der Druck dahinter es zurückzuzahlen so enorm sei. Diese Person würde dann lieber auf’s Studium verzichten, weil „Studium sollte kostenlos sein“: Bei der Aussage musste ich mich ja doch ziemlich zusammenreißen nicht den Kopf gegen die Wand zu schlagen. Ganz ehrlich – wenn jemand sich aufgrund dessen GEGEN ein Studium entscheidet, dann: OK – ist dein Bier. Aber dann anderen Leuten zu raten KEIN Bafög in Anspruch zu nehmen?

  • In JEDER anderen Lebenslage, in der man sich Geld leiht, gibt es Druck dahinter es wieder zurückzuzahlen. Hauskauf, Autokauf, Küchenfinanzierung, Fernseher, heutzutage gibt es sogar Leute, die ihre Designertaschen finanzieren (Schwachsinn des Jahrhunderts btw). Verzichtet man deswegen darauf, weil man sagt: Hab gerade keine X.000€ – deswegen habe ich keine Küche?
  • Man zahlt nicht mal Zinsen – nein, man zahlt nur einen Teil des gesamten Darlehens zurück. Das ist geschenktes Geld! Wer sonst würde dir Geld geben und nicht alles wieder zurückverlangen? (Außer man trifft einen Gönner)
  • Ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesländern ist*, aber in Frankfurt bezahlt man für eine öffentliche Universität rd. 300€ für’s Semester, wobei darin noch ein Semesterticket enthalten ist [was rd 200€ kostet], mit dem man die Öffis nutzen kann. Das sind 16€ im Monat als Semestergebühr und 34€ für das Semesterticket.

Jemandem zu raten kein Bafög in Anspruch zu nehmen, nur weil man es danach zurückzahlen muss, ist mMn fragwürdig. Genauso die Argumentation sich gegen ein Studium zu entscheiden, sofern man es denn machen WILL, nur weil man keinen Bock drauf hat, HINTERHER einen Teil der entstandenen Kosten zurückzuzahlen, damit ANDERE, JÜNGERE auch in den Genuss dieser Unterstützung kommen, finde ich grenzwertig. Ja – Bildung sollte kostenlos sein, aber wer nicht bereit ist 16€ im Monat dafür zu bezahlen – bei dem stelle ich die Wertschätzung dessen gegenüber in Frage.

*Klar – andere Unis, andere Gebühren. Da geht’s schonmal bis 500€ im Semester hoch oder bis 400€ im Monat. Trotzdem – gleiche Argumentation. Wir leben nicht in einer perfekten Welt, in der es keine Uni-Gebühren gibt, sondern in einer unperfekten Welt, wo es leider so teure Gebühren gibt und man versuchen muss das beste daraus zu machen: Kein Grund nicht zu studieren, wenn man etwas bestimmtes machen WILL, wenn einem schon die Mittel dafür eröffnet werden.
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Die Bilder sind wieder von Summer :).
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11 thoughts on “Bildung muss kostenlos sein

  1. Die Diskussion meine ich auch gelesen zu haben (schon etwas länger her, oder?). Kann ich jedenfalls auch nicht verstehen. Ich finde es super, dass es BAföG gibt, weil viele und ua ich dadurch überhaupt erst studieren können. Ich würde nie auf die Idee kommen, deswegen nicht zu studieren….
    Klar sind es Schulden, aber dafür bekommt man eine gute Bildung und kann die mit einem guten Job dann gut zurückzahlen

    1. jaaa genau – also das ist ne weile her, weil ich den Post wirklich oft umgeschrieben habe…. von in Rage schreiben und nochmal drüber nachdenken bis hin zu „was gibt’s noch für aspekte“ und dann online stellen halt.

      Ich hatte kein Bock drauf, dass es am Ende heißt : „was bistn du für’n Arsch“ seitens vieler Studenten, die der Ansicht sind, dass man ihnen alles auf dem Silbertablett servieren muss (das sieht man ja daran, dass hier in FFM eine riesen Occupy bewegung ist, bei der die Hälfte der Leute zum Party machen kommen und einfach mal prinzipiell gegen Studiengebühren sind… OBWOHL sie in Frankfurt schons gut wie gar nichts zahlen müssen!)

    2. und zum „ermöglicht das studieren erst“ – ja das sehe ich halt auch so. Ich mein klar. es wäre supidupi, wenn studieren so gar nichts kosten würde etc. aber wir sind ja nicht in einer Rosa – perfekten Welt. Weitestgehend IST das studieren in Deutschland schon kostenfrei – aber man kann ja nicht erwarten, dass auch gleich noch alle Lebenshaltungskosten verschenkt werden. Und schließlich ist Bafög auch für sowas da und nicht nur für Studienkosten.

  2. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Wir in Bayern können froh sein, dass wir nicht sowas wie Sudiengebühren haben. Toller Look!

    Grüße!

    mtrjschk.blogspot.de

      1. Bei uns in Bayern wurde es seit 2 Jahren abgeschafft, Wir zahlen mit vollem* Semesterticket auch „nur“ noch 200-300/Semester. Davor war es eben 500€ pro Semester ohne Fahrkarte (damals gab es noch kein Semesterticket hier in München).

        Ich stimme dir teilweise zu und kann deinen Ärger nachvollziehen. Es gibt Leute die keinen Bafög bekommen und trotzdem studieren. weil sie es wirklich wollen. Da nehmen sie auch einen Studienkredit in Kauf. Das ist ja schon wirklich was anderes als Bafög wo die Hälfte einem gezahlt wird. Nicht zu vergessen ist, dass wenn man einestages – aus welchen Gründen auch immer – zu wenig verdient wird es einem sogar komplett erlassen es zurückzulassen (jap …. )

        Eine Freundin von mir die mit Ihrer Familie vor paar Jahren nach Kalifornien gezogen ist, überlegt den Master hier in Deutschland zu machen – wegen den kaum exisitierenden Kosten. Vielleicht Offtopic, aber ich bin froh hier zu studieren. Man brauch sich nur die wirklich horrenden Summen in London oder den USA zu sehen :’D … Naja Glück und Zufriedenheit ist eben immer eine Vergleichsfrage,

        Nochmals Danke für den tollen Beitrag 🙂

        1. oh ja – das klignt interessant. ja das find ich aber super, dass das in Bayern auch nachgezogen ist.. 😀
          das wusste ich auch gar nicht, dass man sogar einen erlass beantragen kann. find ich nur fair, wenns halt danach nicht so gut klappt mit jobs etc. o:

          ja – das find ich im vergleich auch interessant… für Amerikaner ist es ja schon billiger, wenn sie ins ausland fliegen zum studieren … als wenn sie bei sich halt studieren… die horrenden Preise.. das zahlste hier in keiner teuren Privatuni… Q___Q

  3. Danke für diesen tollen Beitrag! Ich persönlich kenne diese Diskussion. Ebenso wie „an privaten Unis kauft man seine Noten“. Ich studiere an einer privaten Uni und würde mich freuen, wenn da mein Semesterbeitrag nur 300€ betragen würde. 😀
    Klar, es war meine eigene Entscheidung – aber man muss eben auch abwägen, was man für das Geld bekommt. Ich kann immer nur mit dem Kopf schütteln, wenn Leute der Meinung sind, alles muss umsonst und hinterher geschmissen sein. Es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten, sich sein Studium zu finanzieren – von Studienkrediten bis Bafög (Achtung, große Überraschung: den Arsch hochkriegen und selbst Geld verdienen ist auch eine Option ;)). Außerdem bedient man später als Akademiker nicht schlecht – da wird es wohl möglich sein das Geld wieder zurückzuzahlen.. Ich glaube manche Leute haben entweder keinen Plan vom Leben oder sind einfach nicht informiert genug. Danke also, dass du jene unter uns mit diesem Post etwas wachgerüttelt hast. 🙂

    VANITY ? LUXE

  4. Das ist wirklich unreflektiert, so eine Aussage zu treffen. Kann deine „Wut“ da gut verstehen, Bafög ist eine tolle Sache, die mir z.b. mein Traum verwirklicht hat. Ohne wäre es nicht gegangen, weil meine Eltern nicht die Mittel gehabt hätten.

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