Es gibt Dinge, die gibt’s hier nicht.

IMG_9471Wisst ihr was Priming bedeutet? Wenn nicht, dann lest es kurz auf Wiki nach. Wie dem auch sei – besonders mir geht es gerade so – ich weiß nich, ob es daran liegt, dass ich langsam in ein Alter komme, in dem meine Peergroup anfängt zu heiraten und Kinder zu kriegen, oder ob ich einfach zack-geprimed wurde, aber ich sehe überall Babies. Bloggerbabies, Familienbabies, Freundebabies, Babies, Babies, Babies! Überall sind sie und überall fangen die Hochzeitsglocken an zu läuten.

Gerade weil Blogger einen großen Teil ihres Lebens in der Öffentlichkeit (=Internet) breittreten, mache ich mir hier und da Gedanken, wenn ich sehe, dass eine Bloggerin und Mutter Bilder ihrer Brut zeigen (Übrigens wollte ich einfach nur so mal Brut schreiben, weil ich das Wort lustig finde – es soll nicht despektierlich sein). Es ist jedem selbst überlassen, wie er mit seinen Daten umgeht. Ich kann es auch verstehen – wenn man jemanden so sehr liebt und bei jedem Häufchen fast vor Stolz platzt, dann möchte man das auch teilen. Trotzdem komme ich leider oft nicht drumherum mir die Hand vor den Kopf zu schlagen, wenn es um Kindesbilder im Internet geht. Ich wage es nicht auch nur ein Wort bei entsprechenden Personen darüber zu verlieren – ist ja nicht mein Leben, geht mich ja nicht’s an, ist nicht mein Problem.

Aber ich mache mir vermehrt darüber Gedanken – über Grenzen. Über Geltungs-und Mitteilungsdrang. Über Sicherheit und auch die gängigen Ängste von Eltern wie z.B. Pädophilie und Missbrauch. Was habe ich alles schon für einen Unsinn auf Instagram lesen müssen und mir dann gesagt – Ey der Person folge ich  nicht mehr, das finde ich unmöglich. Wieso muss eine Mutter ein Bild von ihrem Sohn posten und dazuschreiben, dass er eine Entzündung an seinem DingDong* hat? Sie würde doch auch nicht über eine Entzündung an ihrer DingDong* sprechen, oder? Was habe ich mich als Teenager geschämt, als meine Mutter meiner Tante von meiner allerersten Periode erzählt hat – wie unglaublich sauer ich darüber war, dass sie etwas – zu dem Zeitpunkt für mich extrem intimes und privates – in meiner Familie (!) herumerzählt hat. Das Theater schon, obwohl es nur (!)  eine Tante war und nicht hunderte, wenn nicht tausende Fremde ohne Gesicht.

[quote]Es gibt einen Grund, wieso ich nicht meinen Freund hier zeige und auch sehr selten erwähne, wie ich auch niemals mein zukünftiges Kind hier zeigen werde oder nie meine Freunde zeige, deren ausdrückliche Erlaubnis ich für ein bestimmtes Bild nicht bekommen habe. [/quote]

Wir sind als leere Leinwände geboren worden – unsere Internethistorie ist leer. Es ist unsere Verantwortung unsere Leinwand – sei es im Leben oder im Internet selbst zu befüllen. Ich habe 5 Emailaccounts, die vor Spam überquillen. 5 Emailaccounts, weil mir die Adresse irgendwann nicht mehr gefiel oder weil zu wenig Speicherplatz etc. etc. Aber mit jedem Account bin ich irgendwo „Wichtiges“ angemeldet. Meine Leinwand ist vollgeschmiert mit unnötigem Datenmüll, den ich eigentlich gar nicht brauche, aber wenigstens selbst verbrochen habe. Da schmier ich doch nicht auch noch auf der Leinwand meines Kindes rum. Im Fernsehen werden Werbungen gezeigt, in denen es darum geht, dass man Kinder nicht ohne Kindersicherung/Schutz im Internet surfen lassen soll, aber was ist mit den Eltern, die wirklich privates/intimes ihrer Kinder posten? Es ist jedem selbst überlassen, wie er mit seinen Daten umgeht. Aber (!) sind es denn DEINE Daten, die du teilst, oder die deines Kindes?
*Übrigens verwende ich Unsinnswörter, weil ich nicht möchte, dass komische Leute über komische Suchbegriffe auf Google zu mir kommen :‘).

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18 thoughts on “Es gibt Dinge, die gibt’s hier nicht.

    1. danke für deinen kommentar 🙂 Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich gefragt habe, ob ich einfach konservativ bin? klar – wir sind generation internet, aber z.b. ein eigener Twitteraccount für’s Baby…. WHY?

  1. Okay, also sowas krasses habe ich auch Instagram noch nicht gelesen und ich wäre auch sehr schockiert darüber.
    Ob ich meine Kinder zeigen würde weiß ich ehrlich gesagt heute noch nicht, ich denke, ich würde auf jeden Fall versuchen das Gesicht wegzulassen…so ähnlich wie es Natalie von http://www.addictedtofashion.net macht…aber das kann ich heute noch nicht sagen.
    Da hast du aber ein wirklich spannendes Thema angeschnitten 🙂

    1. huhu Jenny – haha ja – das Beispiel, was ich oben geschrieben habe ist aber auch wirklich ein ganz schönes Extrembeispiel – so etwas in der Sorte habe ich bisher auch nur ein einziges mal gesehen (zum glück!!)

      Ich bin momentan auch zwiegespalten irgendwie… Und ich finde man muss auch ganz stark differenzieren. Ich finde es zwar nicht gut, wenn man sein baby zeigt, aber ich finde es macht einen ganz ganz ganz riesengroßen Unterschied, ob man einfach nur ein schönes Portrait zeigt oder wenn man aber munter dazu Details ausplaudert [z.B. wenn das Kind hier und da Krankheiten hat oder zickig war etc etc]. Oder wo ich auch differenziere ist, ob man ein angezogenes Baby zeigt oder ein splitterfasernacktes Baby. Wirrwarr in meinem Kopf darüber gerade… das einzige, was ich weiß, dass ich es bei mir nicht sehen möchte 😀

  2. Schön, dass dieses Thema mal bei jemandem zur Sprache kommt. Ich finde auch, dass es jedem selbst überlassen ist, was er im Internet macht und von sich zeigt. Aber die Kinder haben gar keine andere Wahl, wenn die Eltern das für so unverzichtbar erachten. Wirklich schade. Ich finde es okay, wenn jemand ein Bild von Babyfüssen zeigt und dazu niedliche Liebesfloskeln von sich gibt. Aber ein 2 Tage altes Kind mit dem Handy aufzunehmen und dass dann der Welt zu präsentieren ist dann doch eher unpassend.. egal wie „berühmt“ man in der Bloggerszene auch ist.

    1. Huuhu – danke für deine Meinung.
      Ich musste bei dem Babyfüße beispiel voll lachen gerade XD weil ich selber meine Käsemauken im Blogpost als Bild hab haahahha XD
      Ja – ich finde du hast da total recht. Es macht auch echt einen Unterschied was für Bilder man zeigt. Das gilt für einen selbst und das gilt auch für das Kind meiner Meinung nach.
      Z.B. gibt es ja so Bilder, wo ein Neugeborenes auf dem Unterarm vom Vater liegt. Oder die Hand vom Baby auf der Hand von Omi oder sowas… Superschöne Motive, die man sich auch an die Wand hängen würde. Ist auch was ganz anderes, als ein schlecht beleuchtetes Nackedeifoto frisch aus dem Handy 🙁

      achhh ich weiß nicht – ich bin ganz hin und hergerissen, weil ich Babies total niedlich finde und diese „Zeigefreude“ verstehe – andererseits bin ich überzeugt vom Prinzip der Selbstbestimmung 😡 Und da ich mich darüber aufrege, wenn Leute Fotos von mir online stellen, denen ich das nicht erlaubt habe, würd ich auch nicht auf die Idee kommen das bei anderen zu tun. Egal ob Erwachsen oder Kind.

  3. Ich bin da auch so eingestellt wie du. Aber bei mir liegt es eher dadran, dass ich von Kindern/Babies gar nichts halte. Man (eher Frau) kann mal gerne ein Portrait zeigen und dann ist gut XD

  4. Ich hab ja deinen Blogeintrag auf Twitter geteilt, aber noch nicht kommentier. Ich musste da wieder an einen Artikel von letztens denken. http://www.mimikama.at/allgemein/fotos-von-kindern-auf-facebook/

    Und ich muss bei dem Thema immer an die cholerische Asiatisch Pazifische Topbloggerin denken, die das halbe Leben ihres kleinen Sohnes auf Insta postet und manchmal auch „vermarktet(?!). Ich finde das schon ziemlich krass. Klar sind die Bilder süß anzusehen und so weiter, aber neben „oh, ist der süß“ kommen mir auch die Schattenseiten zu Gedanken. Ich selber poste auch nicht oft von meinem Freund, irgendwie find ich das nicht wichtig mich die ganze Zeit mit ihm zu zeigen, weils ja auch privat ist und wenn mal ein solch seltenes Bild online ist, weiß er da auch. Sowie auch meine Freunde, oder sie sind halt unkenntlich…

    1. huhu – oh danke für den lesetipp _ ich schau mir den post mal an…

      jaaa ich weiß wen du meinst. sie vermarktet ihr kind total und ganz ehrlich – ihr sohn ist ja auch total niedlich und alles. aber so viel hass wie SIE täglich entgegengebracht bekommt von anderen leuten… find ich auch nich so gut, dass sie dann das Kind mit zur Zielscheibe macht :/

  5. Kann dir da nur zustimmen. Ich halte mein privates Leben aus dem Internet raus.
    Habe kaum Bilder von meinem Exfreund hochgeladen (der, Weakling wie er ist, sich darueber sogar beschwert hat) und werde auch sonst von keinen Typen reden.
    Meine Familie ist da auch raus und meine Schwester zeige ich auch erst nur jetzt ein wenig (Abschlussfeier), weil sie aber auch 10 ist und sie intelligent genug ist, mir sagen zu koennen, ob sie das ok findet oder nicht. Trotzdem wird das sicher nicht Normalitaet und soll es auch nicht.
    Ich gucke zum Beispiel gern Vlogs und ja, itsjudyslife ist eins meiner Lieblingen, weil ich die Babys so suess finde. Andererseits, wuerde ich so etwas selbst nie nie nieeee veroeffentlichen. Omg, wenn sich ihre kleine Tochter anschaut, wie ihre Mutter sie auf dem Toepfchen gefilmt hat, wtf, und dann sehens noch mehrere Hundertausend Leute… na toll. :/ Aber jedem das seine ne?

    1. ich weiß ganz genau was du meinst.
      Ich finde sowas selbst auch total interessant…. wenn du einen blogger/youtuber schon so lange verfolgst und die videos anschaust… man „wächst“ ja mit denen.. wir werden älter, die werden älter und da kommt halt irgendwann auch das kind – vielleicht orientiert man sich auch ein wenig daran, was die so zeigen…. aber wie du sagst – ich würd’s auch nie so machen Q:Q

  6. Es gibt hier 3 Generationen, die hier zum Tragen kommen:
    1) Die Generation der Mütter, die nicht wirklich mit PCs aufgewachsen sind und vor einigen Jahren erst das Internet entdeckt haben und das ja sooo spannend finden und wen man da nicht alles kennenlernt etc.
    2) Unsere Generation, die zwar auch nicht mit PCs aufgewachsen, damit aber schon sehr früh in der Kindheit Bekanntschaft gemacht haben und schmerzlich lernen mussten, dass man eben nicht alles preisgeben darf
    3) Die Digital Natives, die mit dem ganzen Quatsch aufwachsen (aka das Baby) und später jahrelang erfolglos bei Google und Facebook klagen wird, dass solche Posts entfernt werden.
    Ich stimmte dir voll zu, so lange das Baby/Kind nicht selbst entscheiden kann, was es preisgeben möchte gehört grad mal 1 einziges „Hurra du bist da!“ Foto privat auf Facebook für seine Freunde und ansonsten nichts mehr!

    1. die unterteilung find ich super interessant – vor allem finde ich, dass da auch klar wird… wer was „verbrochen“ hat. Zu 3: also quasi, dass die sich um Mist kümmern müssen, den sie selbst teilweise gar nicht verbrochen haben.

  7. Gut, dass du das ansprichst und es motiviert mich auch was darüber zu schreiben. Mich betrifft das jetzt ja auch, und ich habe mir viele Gedanken gemacht, was ich posten will und was nicht. Ich hatte aber auch meine schwankenden Momente, weil ich z.B. eigentlich den Namen der Kleinen nicht veröffentlichen wollte. Da war ich sehr standhaft, mittlerweile ertappe ich mich selbst dabei, dass ich sage: „Ach naja, ist doch nur ein Name.“ Man will ihn mitteilen, weil man sich so freut und diese Freude mit allen Lesern teilen will. Aber dann gibt es auch noch folgendes, worüber ich mir Gedanken mache: Du weißt nie, wer dein Impressum genauestens studiert, wer mal vor deiner Tür steht, wer dir Briefe schreibt (ist mir ja neulich passiert, dass mir ein Leser aus Mannheim Briefe und Postkarten geschrieben hat und als er keine zurückbekam, total beleidigend auf meinem Blog wurde). Der Name ist nichts Individuelles oder Spezielles, ich will mich damit nicht über Andere stellen und behaupten, er sei so toll. Aber mir ist das nicht geheuer, wenn den Fremde wissen. Vor allem im Zusammenhang mit meinem Blog und meiner Adresse. Man geht ja auch nicht durch die Straße und brüllt den Namen laut herum. Und das Schlimmste ist dann noch eher die Tatsache, dass sie sich auf gut Deutsch das Maul zerreißen und mein Kind „in den virtuellen Dreck ziehen“, ohne dass sich mein Kind dagegen wehren kann. Ich kann mich gegen Negatives wehren, aber das kleine Wesen nicht.
    Chris hat sich dazu nur ein einziges Mal geäußert, er will keine Bilder vom Kind sehen. Keine vom Gesicht und eigentlich (!) auch keine von hinten, unten, seitlich. Keine Fotos auf dem Blog und auf Facebook. Eigentlich bin ich absolut seiner Meinung, aber ich ertappe mich dann wieder bei den Gedanken, wie es wäre, wenn ich sie zeigen würde. Weil man vor Glück und Freude fast platzt.

    Habe ich mich verständlich ausgedrückt? 😀 Keine Ahnung! Ich stimme dir auf jeden fall zu, auch wenn ich mich selbst bei den entgegengesetzten Gedanken hin und wieder ertappt habe.

    1. moni ich kann dich zu 100000% verstehen. und ich kann auch andere Mütter, die ihre Kids zeigen verstehen… das ist halt dieses „Ich platze fast vor freude und will es mit anderen leuten teilen“ – ich kann das echt total nachvollziehen. In einer perfekten Welt (ohne die Gefahren im Netz) wäre das auch echt kein Problem… Und genau das meine ich – dieses Abwägen – Was ist wichtiger: Dass ich Sachen zeigen will oder tatsächlich die Sicherheit vom Kind.

      Find ich total gut, dass du dir dazu so viele Gedanken machst 😀 😀

  8. Ich würde nie Fotos von meinem Kind, wenn ich eines hätte, auf dem Blog posten. Auf FB vlt., aber dann so eingestellt, dass es nur Leute sehen können, denen ich vertraue. Ich bin mir bewusst, dass ich auf FB und stärker auf dem Blog als Person dastehe, durch meine Infos glänzen will – dort hat die Privatperson einschließlich Freude, Probleme und Pickel auf der Nase, nix zu suchen.

    Andererseits tauschen sich viele Eltern so über die Probleme mit ihren Kleinen aus 🙂 In einer FB-Gruppe ging es neulich genau um dieses Thema. Einige Leute meinten, dass ein Blog ohne Bilder nicht anschaulich genug ist und dass Fotos auch vom Kind ok sind. Ist nich meine Meinung 🙂

    Das Beispiel, das du nennst, ist krass. Aber ich kenne einige Blogger, die sehr verantwortungsvoll mit der Darstellung ihrer Kinder umgehen 🙂

    1. ich kann dir da nur zustimmen! =) in allen punkten… also, dass ich mein kind nichtzeigen würde und dass es auch verschiedene Darstellungsarten gibt =) Ich hab ganzgbewusst ein extrembeispiel genommen =)

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