Seit meiner Verlobung Anfang diesen Jahres habe ich mich gefragt ob und in welchem Umfang ich dieses Hochzeitsthema auf dem Blog und/oder Social Media anschneiden möchte – zum einen ist es einfach so, dass sich viele für das Thema Hochzeit und Persönliches interessieren und zum anderen macht es auch einfach Spaß diesen Prozess durchzuleben und zu teilen. Trotzdessen fragt man sich inwiefern man seine eigene Privatsphäre und die der Freunde & Familie öffentlich wiedergeben kann und will. Ganz offensichtlich hat sich das „ob“ erledigt, denn ich habe schon einige Blogposts zum Thema Hochzeit geschrieben :). Auch habe ich zwei Testberichtkooperationen angenommen bei der ich eine Hochzeitswebseite ausprobiert habe und eine andere bei der ich mir einen Gutschein für Einladungen habe geben lassen. Das fühlte sich irgendwie nicht richtig an – ich möchte keine Bloggerin sein, die die gemeinsame Hochzeit kommerziell ausschlachtet. Ich habe keine Lust unter jedem dritten Wort oder jedem Foto einen Affiliatelink zu rotzen, um meine Umsätze zu erhöhen – zumindest, wenn es um die persönlichen Posts geht. Vielleicht mach ich das mal, wenn ich über Dekorationen oder sonst etwas Materialistisches schreibe. Vielleicht auch nicht. Ich habe keine Lust auf Kooperationen – nur um ein paar Euros für Schnickschnack zu sparen. Das Thema Hochzeit, Freundschaft, Junggesellenabschied und alles drumherum wird hier keine Inszenierung sein – wo auf Social Media generell schon zu viel inszeniert wird. Viel mehr orientiere ich mich an den zahlreichen bloggenden Bräuten, die einfach nur Mensch sind und ihre vielen glücklichen Momente mit Anderen teilen. Ich hoffe, dass mir die Gratwanderung zwischen „Freudige Momente teilen“ und „Privatsphäre bewahren“ gut gelingt :).


Wir wollten unsere standesamtliche Hochzeit so einfach und entspannt wie möglich halten. Einfach nur die Familie und enge Freunde einpacken, zum Standesamt marschieren, unterschreiben und danach schön essen gehen. Wenig Aufwand, wenig Aufregung und hauptsache kein Stress, aber trotzdem eine schöne Zeit zusammen mit den liebsten Personen!

9:00 Uhr – Da wir unser Bad renovieren und dort momentan Baustelle ist, können wir nur bei meinem Mann in der Firma oder bei meinen Eltern duschen. Da ich aber kein Bock hatte extra dahin zu fahren, habe ich unseren Freund (der gleichzeitig auch unser Nachbar ist) gefragt, ob wir bei ihm duschen können. Schnell unter die Dusche gehüpft, danach die Haare geföhnt und ein paar Locken reingemacht, Schminke ins Gesicht und gut 15 Minuten vor Abfahrt ins Kleid geschlüpft. Ganz ehrlich? Mein Kleid war ein bisschen zu eng, also tief Luft geholt und mit Gewalt den Reißverschluss hochgezerrt – meine größte Paranoia war mir mein Fleisch im Reißverschluss einzuklemmen und dann vor Schmerzen zu kotzen (Exaggerating to make a point).

11:00 Uhr – Wir sind mit unserem Kumpel um 11 verabredet gewesen, der heute unsere Mitfahrgelegenheit sein sollte. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich in meinem Kopf ein Gefühlscocktail – normalerweise wird mir übel, wenn ich aufgeregt bin – wie zum Beispiel in einer Prüfungssituation, ganz kurz vor einer mündlichen Prüfung habe ich häufig das Gefühl brechen zu müssen und zudem sind dann auch noch meine Finger heiß und kalt in einem Rutsch. Die heutige Aufgeregtheit fühlt sich anders an, irgendwie bin ich doch ziemlich entspannt, vielleicht freudig aufgedreht? Mein Mann hat sich im Wohnzimmer fertiggemacht und dort die Musik aufgedreht – ich hab das gleiche im Arbeitszimmer gemacht – nur mit einem Hauch Mascara. Außerdem wollte ich eine Sportplaylist abspielen, weil ich dachte das pumpt einen so richtig auf, bin aber bei einer Linkin Park Liste gelandet. Zwischen aufgedrehter Konzertstimmung und ein wenig Melancholie hinsichtlich der vergangenen Ereignisse habe ich mich aber über die alten Songs gefreut – irgendwie aus der Zeit aus der wir uns kennengelernt haben. Ich habe das Gefühl, dass ich musikalisch in meinen Teenagerjahren hängen geblieben bin. Vielleicht geht das meinen Eltern ja auch so, die immer noch die Beetles und Bee Gees rauf und runter hören. Long Story Short – wir haben die Musik volle Pulle aufgedreht, man muss den Nachbaren ja einmal auf den Sack gehen dürfen. Irgendwann klingelt unser Freund und steht gleich vor der Tür – in dem Moment kommen auch gleich meine Eltern mit Miu und ihrem Freund an. Schnell ein paar Fotos im Wohnzimmer mit Muttis iPad, Stativ geschultert und auf zum Standesamt, welches sich in einem Schloss befindet, dass sich im Übrigen in dem Park befindet in dem wir vor exactly 10 Jahren zusammen kamen.

11:30 Uhr – Ankunft, Parkerei und so langsam trudeln auch alle Gäste ein. Ein bisschen überfordert mich die Situation, weil man gleich von so vielen gleichzeitig gegrüßt wird und gar nicht jedem mehr als 2 Sätze widmen kann, wo doch schon die nächste Person sich anreiht um dir zu gratulieren. Der Trauzeuge von meinem Mann hat freundlicherweise meinen Brautstrauss samt Blumendeko für’s Restaurant abgeholt und mir mitgebracht.

12:00 Uhr – Wir haben uns damals den Termin um 12 Uhr reserviert, damit wir nach der Trauung auch gleich zum Lunch ins Restaurant gehen können. Die Trauung selbst hat ca. 20 Minuten gedauert – die Standesbeamtin hat unsere Personalien vorher geprüft und die Ringe an sich genommen. Danach folgten Gratulationen und die Gruppenfotos. Da ich die standesamtliche Hochzeit ganz einfach halten wollte, habe ich mich nicht großartig um einen Fotografen gekümmert, sondern habe meine Kamera samt Stativ und Fernauslöser eingepackt. War perfekt für ein paar Gruppenbilder. Danach – und an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön!!! – hat Summer sich die Kamera geschnappt und Fotos gemacht. Ab und Zu ging die Kamera auch Reih-Um, sodass sie auch auf den Bildern zu sehen ist. Meine Schwester und Trauzeugin (auch hier lieben Dank!!) hat sich um Sekt und O-Saft gekümmert und meine Schwiegermutter brachte einen Satz Sektgläser mit.

13:00 Uhr – Danach sind wir zu Emmas Steakhaus zum Lunch gegangen. Das Lokal hat tagsüber normalerweise zu und öffnet nur für Gruppen ab 20 Personen – da es sich nur 500 Meter von Standesamt entfernt befindet, gehe ich davon aus, dass sie sich auf Hochzeitsgesellschaften, die Hunger haben Teil-Spezialisiert haben. Ich werde an anderer Stelle noch einmal über dieses Restaurant schreiben, kann aber an dieser Stelle schon einmal sagen, dass ich vollumfänglich zufrieden gewesen bin.


Fazit: Unsere standesamtliche Hochzeit ist irgendwie viel größer geworden, als ich es mir ursprünglich gedacht habe. Ich habe wirklich gedacht, dass wir aufgrund unserer Feier in 2018 aus der standesamtlichen Trauung „keine große Sache“ machen, sondern einfach „nur“ einen netten Tag im Beisein der Familie in einem netten Lokal verbringen. Ich hätte nicht erwartet, dass ich bei der Trauung weinen würde, habe auch nicht erwartet, dass meine Freunde und Familie sich so super chic machen (ich hatte gesagt – jeder wie er mag & sich wohlfühlt) und ich fand das wirklich, wirklich süß wie alle um uns herumgehuscht sind und ober-aufmerksam waren. Zum Beispiel trage ich meinen Scheiß meistens immer selbst – kein Ding, aber an diesem Tag habe ich irgendwie nie Sachen tragen müssen. Die sind alle auf magische Weise (xD) verschwunden, wenn ich sie nicht gebraucht habe und auf magische Weise wieder aufgetaucht sobald ich sie gebraucht habe. Das vergesse ich meinen Freunden nie, wie süß die an dem Tag einfach waren! Wir haben weder Pläne, noch Sitzordnungen, noch Anweisungen oder Aufgaben gegeben/ vergeben und irgendwie hat jeder so „seine Rolle“ gefunden und dann hat sich alles gefügt. Ich finde das ziemlich schwierig in Worte zu fassen, aber ich bin sehr dankbar und gerührt davon, wie bereitwillig sich unsere Freunde ins Zeug geschmissen haben und uns damit eine „Leichtigkeit“ und Sorglosigkeit für den ganzen Tag geschenkt haben, die wir uns auch so gewünscht haben. Entspannt und Gemütlich.