Zug fahren in Japan – Auf Gleisen durch Japan reisen

Ich glaube ich war noch nie so gestresst, wie an dem Tag in dem ich in Japan angekommen bin und mitten im Trubel des Tokioter Hauptbahnhofes stand. Ich habe mich zwar vorab ein wenig über die Bahnfahrten informiert, aber geholfen hat mir das am ersten Tag wirklich nichts geholfen. Ich war völlig überfordert, denn ich kam dummerweise auch zur Rushhour an und es war so viel los, dass man kaum ein Plätzchen gefunden hat, um einfach kurz stehen zu bleiben und zu schauen, wo man hingehen muss. Zudem war ich von meinem Flug ziemlich übermüdet und musste zweimal umsteigen um in meinen Shinkansen Schnellzug Richtung Fukuoka zu kommen. Trotz des Zeitdrucks hat alles irgendwie doch ohne Probleme funktioniert! Also vielleicht habe ich mich wirklich selbst mehr als notwendig gestresst, aber ich kann mir vorstellen, dass es vielen anderen auch so geht. Ihr müsst bedenken, dass zwar überall auch englische Übersetzungen stehen, diese aber ganz klein gedruckt sind und man die erst mal suchen muss! Long Story Short – ich dachte ein Blogpost über das Zugsystem in Japan würde für euch hilfreich sein!

Die Zugfahrapp Hyperdia – Japans Züge, Zeitpläne und Ticketpreise in einer App

Egal wo ihr hinfahren wollt – als allererstes solltet ihr euch die App „Hyperdia“ auf das Handy laden. Die App auf japanisch und auf englisch verfügbar und ist im ersten Monat kostenlos, danach kostet sie 3,49€ pro Monat. In der App könnt ihr die Stationen angeben von denen ihr abfahren und bei denen ihr ankommen wollt. Es werden dann die Dauer der Fahrt, die jeweiligen Kosten, sowie auch alternative Abfahrtszeiten angezeigt. Eine weitere Funktion „JR Railpass“ zeigt an, welche Zugverbindungen ihr ohne zusätzliche Kosten nutzen könnt, sofern ihr einen JR Railpass gekauft habt – zu diesem Pass findet ihr weiter unten Informationen. Ihr könnt natürlich auch eure Zugverbindungen auf der Webseite von Hyperdia nachschauen, aber als App ist das einfach praktischer.

Die verschiedenen Züge und Bahnen in Japan

  • Japanische Subway (U-Bahnen) & JR Linien (S-Bahnen)

Bei den U-Bahnen kann man sich in dreierlei Hinsicht orientieren: Farbe, Buchstabe und Nummer. Dies dient der Vereinfachung – immer wenn ich bereits wusste welche Bahn ich nehmen muss und welche Farbe sie hat, so konnte ich mich in dem verrückten Bahntrubel in Tokyo viel besser orientieren, weil ich mich nur auf die Farbe der Bahn konzentriert habe. Die Zahlen dienen auch des leichteren Verständnisses – jede Station hat für jede Zuglinie eine eigene Nummer, sodass man sich nur die Zahl merken muss – dies ist einfacher, weil die Anzeige häufig auf japanisch schaltet und eine Weile braucht, um auf lateinische Buchstaben zu schalten. Mir haben die Zahlen geholfen, da ich am Anfang sehr unsicher gewesen bin und gefühlt nach jeder Haltestelle auf die Anzeigetafel geguckt habe.

  • Shinkansens / Bullettrains (japanische ICE-Züge)

Bei den berühmten Shinkansenzügen (oder auch Bullettrains) handelt es sich um Hochgeschwindigkeitszüge, die noch schneller als die deutschen ICEs oder die französischen TGVs sind. Ich bin zum Beispiel innerhalb von 5 Stunden von Tokyo nach Fukuoka – bei einer Strecke von rund 1.000 KM gekommen (inkl. einmal umsteigen). In Deutschland dauert eine Zugfahrt aus Frankfurt in das rd. 550 KM entfernte Berlin allein schon mindestens 4 Stunden. Zudem fahren die Züge hier immer unfassbar pünktlich und deutlich häufiger ab! Ich habe bei meinem Trip zum Beispiel immer erst am Bahnhof selbst nachgeschaut, wann der nächste Zug zu meiner Destination fährt und habe nie länger als 10 Minuten warten müssen.

Ein – und Auschecken beim Bahnfahren

Wenn ihr in Japan mit der Bahn fahrt, dann müsst ihr jeweils ein – und auschecken. Egal ob ihr einzelne Papiertickets oder eine Suica – / Pasmocard kauft. Die Höhe eures Tickets hängt nämlich von der zurückgelegten Wegstrecke ab. Wenn ihr zum Beispiel zu weit fahrt und der Wert eures Tickets zu niedrig ist, dann müsst ihr bei der Station bei der ihr ankommt mehr draufzahlen, bevor ihr auscheckt. Wer einen Japan Rail Pass besitzt, muss diesen beim Aufseher vorzeigen.

Die Suica – / Pasmocard

Bei der Suica – bzw. Pasmocard handelt es sich um eine Art Prepaidkarte, die ihr aufladen könnt und bei jedem Mal Bahn fahren einscannt. Der Gegenwert für eure zurückgelegte Strecke wird dann automatisch abgezogen. Früher waren Suica und Pasmo noch unterschiedlich, jedoch wurden die Streckennetze zusammengelegt, sodass es keinen Unterschied macht welche Karte ihr kauft – ihr könnt damit die gleichen Strecken zurücklegen. Ich habe die Suicacard gekauft, weil ich insgesamt den Eindruck hatte, dass es mehr Suica-Automaten gegeben hat. Man bezahlt hierfür 500 Yen (rd. 4€) Pfand und kann sie dann beliebig aufladen. Für eine Woche Tokyo habe ich ca. 4.000 Yen (rd. 31€) aufgeladen – darin enthalten ist der Transfer zum Flughafen und auch eine etwas weitere Strecke zum Sanrio Puroland welches etwas weiter außen liegt. Einzelne Fahrten kosten ab 120 Yen (weniger als 1€) aufwärts – je nachdem wie weit man fährt. Man kann mit der Karte sowohl U-Bahn, S-Bahn als auch Shinkansen fahren. Man muss nicht mit einer solchen Prepaidkarte fahren, sondern kann sich auch einzelne Papiertickets ziehen, aber so geht es einfach schneller und praktischer.

Lohnt sich der Japan Rail Pass?

Ich habe den Japan Railpass für 7 Tage über diese Webseite hier gekauft. Dieser kostet 226 EUR + 4 EUR Versand und ich habe ihn über diese Webseite bestellt. Innerhalb von 3 Tagen war ein Voucher für den JR Pass sowie einige Informationen bei mir – dieser muss innerhalb von 3 Monaten eingelöst werden. Als ich am Flughafen Haneda angekommen bin, musste ich meinen Gutschein in einem Ticket Office gegen den JR Pass eintauschen.

Ich find die folgenden Strecken gefahren:

  • Tokyo – Hakata in Fukuoka: Umsteigen: Flughafen in die City, JR Yamanote Line, Hikari Shinkansen nach Shin-Kobe, Sakura Shin-Kobe nach Hakata in Fukuoka – Einzelpreis: 18.580 Yen (rd. 145 €)
  • Hakata in Fukuoka – Shin-Osaka: Sakura Shinkansen – Einzelpreis: 9.610 Yen (rd. 75€)
  • Shin-Osaka – Kyoto: Kodama Shinkansen – Einzelpreis: 560 Yen (rd. 4€)
  • Kyoto – Saga-Arashiyama Station*: San-In Line – Einzelpreis: 240 Yen (rd. 2€)
  • Saga-Arashiyama Station – Kyoto: San-In Line – Einzelpreis: 240 Yen (rd. 2€)
  • Kyoto – Nara: JR Nara Line Rapid Service – Einzelpreis: 710 Yen (rd. 5€)
  • Nara – Inari Station in Kyoto: JR Nara Line Rapid Service – Einzelpreis: 670 Yen (rd. 5€)
  • Inari Station in Kyoto – Tofukuju in Kyoto: JR Nara Line Rapid Service – Einzelpreis: 140 Yen (rd. 1€)
  • Kyoto – Nagoya: Hikari Shinkansen – Einzelpreis: 2.590 Yen (rd. 20€)
  • Nagoya – Ginza Tokyo: Hikari Shinkansen und dann Marunouchi Line – Einzelpreis: 6.430 Yen (rd. 50€)
  • Shimbashi Tokyo – Hamamatsucho: JR Yamanote Line – Einzelpreis: 140 Yen (rd. 1€)
  • Hamamatsucho – Shimbashi Tokyo: JR Yamanote Line – Einzelpreis: 140 Yen (rd. 1€)

Fazit: Wenn ich alle Einzelpreise zusammenrechne, komme ich auf eine Summe von 311€. Das heißt, dass sich der JR Pass auf jeden Fall gelohnt hat! Bei meiner vierten Fahrt (siehe 4. Bullet) hat sich das Ticket bereits rentiert und alle weiteren Fahrten sind somit „on top“. Der JR Railpass hat sich so schnell gerechnet, weil ich gleich zu Beginn eine sehr weite Strecke mit einem Shinkansenzug zurückgelegt habe, die einzeln sehr teuer sind. Wenn ihr einen Japan-Urlaub plant, dann lohnt es sich nur dann, wenn ihr auch mit den Schnellzügen durch das Land fahrt. Wenn ihr lediglich in Tokyo bleibt und somit nur mit U- und S-Bahnen fahrt, dann lohnt sich der JR Pass nicht. Bevor ihr also entscheidet, ob ihr einen JR Pass kaufen wollt, solltet ihr grob festlegen, welche Städte ihr in Japan besuchen wollt. Ihr könnt euch entweder über Hyperdia oder Google Maps informieren, wieviel die einzelnen Tickets kosten – oder ihr orientiert euch einfach an den Preisen, die ich hier angegeben habe.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Englisch

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